Fehlzeiten gehören zum Arbeitsleben. Menschen werden krank, brauchen Erholung und fallen manchmal aus. Gleichzeitig können häufige oder längere Fehlzeiten für Teams zur Belastung werden: Aufgaben bleiben liegen, Vertretungen springen ein, Kundentermine müssen verschoben werden und bei der Führungskraft entsteht Unsicherheit.

Viele Führungskräfte fragen sich dann: Darf ich das überhaupt ansprechen? Wie vermeide ich, dass es wie Kontrolle klingt? Was darf ich fragen – und was besser nicht? Und wie schaffe ich ein Gespräch, das weder zu weich noch zu hart ist?

In dieser Folge geht es um die Kunst, Fehlzeiten professionell anzusprechen. Nicht als Vorwurf. Nicht als Diagnosegespräch. Nicht als Misstrauenssignal. Sondern als Fürsorge- und Klärungsgespräch.

Du erfährst, wann Fehlzeiten ein Führungsthema werden, wie du dich auf ein Gespräch vorbereitest, welche Formulierungen helfen und welche Fragen du vermeiden solltest. Außerdem geht es darum, wie du arbeitsbezogene Ursachen erkennst, Unterstützung anbietest, Vereinbarungen triffst und gleichzeitig das Team im Blick behältst.

In dieser Folge beantworten wir 5 Leitfragen

  • Wann werden Fehlzeiten zu einem Führungs- und Fürsorgethema?
  • Wie bereite ich ein Fehlzeiten- oder Fürsorgegespräch professionell vor?
  • Wie spreche ich Fehlzeiten an, ohne nach Diagnosen zu fragen oder Misstrauen zu erzeugen?
  • Wie kläre ich arbeitsbezogene Ursachen, Unterstützungsmöglichkeiten und Vereinbarungen?
  • Wie gehe ich mit wiederholten Fehlzeiten, Teamdruck und BEM-Schnittstellen um?

Diese Folge ist relevant für dich, wenn du …

  • als Führungskraft wiederkehrende Fehlzeiten ansprechen möchtest,
  • unsicher bist, was du fragen darfst und was nicht,
  • Fürsorge zeigen willst, ohne übergriffig zu werden,
  • dein Team vor Überlastung durch Vertretungen schützen möchtest,
  • Fehlzeiten nicht tabuisieren, aber auch nicht dramatisieren willst,
  • lernen möchtest, Rückkehr-, Fürsorge- und Klärungsgespräche sauber zu führen.

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Und wie immer: Wenn dir diese Folge gefallen hat, freue ich mich über eine Bewertung, dein Abo oder eine Weiterempfehlung.

Aktuelle Folgen

Fehlzeiten ansprechen im Team – Fürsorge zeigen, ohne Druck aufzubauen

Fehlzeiten ansprechen gehören zum Arbeitsleben. Menschen werden krank, brauchen Erholung und fallen manchmal aus. Gleichzeitig können häufige oder längere Fehlzeiten für Teams zur Belastung werden. Heute gebe ich dir Tipps, wie Du wirkungsvolle Gespräche führst.

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Inhaltsverzeichnis

Intro

Herzlich willkommen zu Zuhören, Fragen, Führen, deinem Podcast über die Kunst der Mitarbeitergespräche. Mit mir, Michael Zocholl. Ich bin Wirtschaftspsychologe, Berater, Coach und Trainer, und in diesem Podcast geht es um realistische und hilfreiche Tipps für deinen Führungsalltag.

Heute sprechen wir über ein Thema, das viele Führungskräfte beschäftigt, aber nur wenige wirklich gerne ansprechen: Fehlzeiten. Also die Frage: Was mache ich, wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin häufig fehlt, länger krank ist oder nach einer Erkrankung zurückkommt und ich als Führungskraft merke: Da gibt es Gesprächsbedarf?

Vielleicht kennst du solche Situationen. Ein Mitarbeiter ist in den letzten Monaten immer wieder ein paar Tage krank. Immer wieder montags oder freitags. Oder immer genau dann, wenn ein bestimmtes Projekt in die heiße Phase geht.

Eine Mitarbeiterin war mehrere Wochen krank und kommt jetzt zurück. Du freust dich, dass sie wieder da ist, aber du bist unsicher: Spreche ich die Krankheit an? Frage ich, ob sie wieder voll belastbar ist? Oder lasse ich es lieber ganz, um nicht übergriffig zu wirken?

Oder du merkst im Team: Die Ausfälle einer Person werden von anderen aufgefangen. Die Stimmung kippt langsam. Manche machen Sprüche. Andere übernehmen ständig Vertretung. Und du stehst dazwischen: Du willst die betroffene Person schützen, aber du musst auch das Team arbeitsfähig halten.

Genau darum geht es heute. Nicht arbeitsrechtlich im Detail. Nicht medizinisch. Und schon gar nicht mit dem Ziel, Menschen unter Verdacht zu stellen. Sondern mit einer sehr praktischen Führungsfrage:

Wie spreche ich Fehlzeiten so an, dass Fürsorge, Klarheit und Verantwortung zusammenkommen?

Denn Fehlzeiten sind sensibel. Krankheit ist privat. Diagnosen gehen Führungskräfte in der Regel nichts an. Gleichzeitig sind Fehlzeiten im Arbeitskontext nicht völlig unsichtbar. Sie haben Auswirkungen auf Aufgaben, Kunden, Kolleginnen und Kollegen, Planung und Belastung.

Die Kunst liegt also darin, sauber zu trennen: Die Krankheit selbst ist Privatsache. Die Auswirkungen auf die Arbeit sind ein Führungsthema. Und die Frage, wie jemand gut und gesund arbeiten kann, ist ein gemeinsames Klärungsthema.

Und damit steigen wir direkt ein.

Gesprächsmodell

FAKT ruhig, klar und arbeitsbezogen sprechen

Wenn du dir nur ein Modell aus dieser Folge merken möchtest, dann nimm dieses: Fakten, Auswirkung, Klärung und Terminierung.

F
Fakten
A
Auswirkung
K
Klärung
T
Terminierung

F – Fakten

Was ist konkret beobachtbar?

  • „Du warst in den letzten Monaten mehrfach krankheitsbedingt abwesend.“
  • „Du bist nach längerer Krankheit seit Montag wieder da.“
  • „In den letzten Wochen mussten wir Aufgaben mehrfach kurzfristig umverteilen.“

Keine Bewertung. Keine Diagnose. Keine Unterstellung.

A – Auswirkung

Welche arbeitsbezogene Wirkung hat das?

  • „Für die Projektplanung entsteht Unsicherheit.“
  • „Das Team übernimmt kurzfristig Vertretung.“
  • „Wir müssen Prioritäten für deinen Wiedereinstieg klären.“
  • „Kundenanfragen brauchen eine stabilere Absicherung.“

Wirkung benennen, nicht Schuld zuweisen.

K – Klärung

Was soll gemeinsam geklärt werden?

  • „Gibt es arbeitsbezogene Faktoren, die wir anschauen sollten?“
  • „Was brauchst du für einen guten Wiedereinstieg?“
  • „Welche Aufgaben sind aktuell realistisch?“
  • „Welche Vertretungsregel brauchen wir?“
  • „Welche Unterstützung wäre hilfreich?“

T – Terminierung

Was wird vereinbart und wann wird überprüft?

  • „Wir testen diese Regelung drei Wochen.“
  • „Wir machen nächste Woche einen kurzen Check-in.“
  • „Ich kläre bis Freitag mit HR die Unterstützungsangebote.“
  • „Wir überprüfen am Monatsende, ob die Aufgabenverteilung funktioniert.“

Wann werden Fehlzeiten zu einem Führungs- und Fürsorgethema?

Zunächst einmal: Fehlzeiten sind normal. Menschen werden krank. Punkt. Eine Führungskraft muss nicht jedes Mal ein Gespräch führen, wenn jemand zwei Tage mit Grippe ausfällt. Und es wäre auch seltsam, aus jeder Krankmeldung ein Führungsereignis zu machen. Aber Fehlzeiten werden dann zum Führungsthema, wenn eines von vier Dingen passiert.

Erstens: Es gibt wiederkehrende Muster

Einzelne Fehlzeiten sind oft unauffällig. Muster sind interessanter.

Zum Beispiel:

  • Jemand fehlt auffällig häufig kurzzeitig.
  • Jemand ist immer wieder vor oder nach Wochenenden krank.
  • Jemand fällt regelmäßig nach bestimmten Meetings, Dienstreisen oder Belastungsspitzen aus.
  • Jemand ist nach Rückkehr sehr schnell erneut arbeitsunfähig.

Wichtig: Ein Muster ist kein Beweis für Fehlverhalten. Und es ist auch keine Diagnose.

Ein Muster ist erst einmal nur ein Hinweis: Hier könnte ein Gespräch sinnvoll sein. Die entscheidende Haltung lautet: Ich sehe ein Muster, aber ich deute es nicht vorschnell.

Das ist professionell. Unprofessionell wäre: „Immer wenn es stressig wird, bist du krank.“

Zweitens: Die Fehlzeiten haben Auswirkungen auf Arbeit und Team

Fehlzeiten betreffen nicht nur die betroffene Person. Sie betreffen oft auch Abläufe. Aufgaben bleiben liegen. Fristen geraten unter Druck. Vertretungen müssen kurzfristig organisiert werden. Kolleginnen und Kollegen übernehmen Zusatzarbeit. Kunden bekommen wechselnde Ansprechpartner. Führungskräfte planen mit Unsicherheit. Das darfst du benennen. Aber achte auf die Formulierung.

Nicht: „Deine Krankheit belastet das Team.“ à Das klingt schnell nach Schuldzuweisung.

Besser: „Durch deine Ausfälle mussten wir mehrfach kurzfristig umplanen. Ich möchte mit dir schauen, wie wir für die nächsten Wochen mehr Stabilität und Klarheit schaffen können.“

Du sprichst also nicht die Krankheit als Problem an, sondern die arbeitsorganisatorische Auswirkung.

Drittens: Du machst dir Sorgen um die Person

Fehlzeiten sind nicht nur ein Planungsthema. Sie können auch ein Fürsorgesignal sein. Vielleicht wirkt jemand seit Wochen erschöpft. Vielleicht kommt jemand nach Krankheit zurück und sieht immer noch angeschlagen aus. Vielleicht häufen sich Fehler, Rückzug und Ausfälle. Vielleicht sagt die Person selbst Sätze wie: „Ich weiß auch nicht, wie lange ich das noch schaffe.“

Dann ist ein Fürsorgegespräch angemessen. Nicht als therapeutisches Gespräch. Sondern als menschlich-professionelles Gespräch. Ein Einstieg könnte lauten:

„Ich möchte etwas ansprechen, weil ich mir Gedanken mache. Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit häufiger ausgefallen bist und auch insgesamt belastet wirkst. Du musst mir nichts Medizinisches erzählen. Mir geht es darum, ob es etwas gibt, das wir im Arbeitskontext verändern oder unterstützen können.“

Dieser Satz ist wichtig, weil er eine Grenze setzt:

Du fragst nicht: Was hast du?

Du fragst: Was brauchst du arbeitsbezogen?

Viertens: Rückkehr muss gestaltet werden

Nach längerer Erkrankung ist die Rückkehr selbst ein Führungsthema. Viele Führungskräfte sagen aus Unsicherheit gar nichts. Die Person kommt zurück, alle sagen kurz „Schön, dass du wieder da bist“, und dann geht es weiter wie vorher. Das kann funktionieren. Muss aber nicht. Gerade nach längeren Ausfällen braucht es oft ein Rückkehrgespräch:

  • Was ist liegen geblieben?
  • Was hat sich verändert?
  • Welche Prioritäten gelten jetzt?
  • Wie gelingt ein guter Wiedereinstieg?
  • Welche Aufgaben sollten in den ersten Tagen noch nicht sofort wieder auf dem Tisch liegen?
  • Welche Informationen braucht die Person?

Auch hier gilt: Es geht nicht um die Diagnose. Es geht um Arbeitsfähigkeit und Wiedereinstieg.

Die Kernbotschaft der ersten Leitfrage lautet:

Fehlzeiten werden dann zum Führungsthema, wenn Muster, Auswirkungen, Fürsorge oder Wiedereinstieg eine Klärung erforderlich machen.

Wie bereite ich ein Fehlzeiten- oder Fürsorgegespräch professionell vor?

Bei Fehlzeitengesprächen ist Vorbereitung besonders wichtig. Denn wenn du unvorbereitet hineingehst, passiert schnell eines von zwei Dingen. Entweder du wirst zu weich und sprichst das eigentliche Thema nicht an. Oder du wirst zu hart und klingst vorwurfsvoll. Gute Vorbereitung sorgt dafür, dass du klar und respektvoll bleibst. Ich empfehle fünf Vorbereitungsschritte.

Schritt 1: Kläre dein Ziel

Bevor du das Gespräch führst, frage dich:

Fehlzeiten ansprechen

Fehlzeiten ansprechen

  • Was soll am Ende geklärt sein?
  • Geht es um einen guten Wiedereinstieg?
  • Geht es um wiederholte Kurzzeitausfälle?
  • Geht es um Unterstützung bei Belastung?
  • Geht es um Planbarkeit?
  • Geht es um Auswirkungen auf das Team?
  • Geht es darum, HR oder ein BEM einzubeziehen?

Je klarer dein Ziel ist, desto besser wird das Gespräch. Ein schlechtes Ziel wäre: „Ich will herausfinden, was die Person wirklich hat.“

Das ist nicht deine Rolle. Ein gutes Ziel wäre: „Ich möchte arbeitsbezogen klären, ob Unterstützung, Anpassung oder bessere Planung möglich ist.“

Oder: „Ich möchte nach der Rückkehr Orientierung geben und Überforderung vermeiden.“

Oder: „Ich möchte ansprechen, dass häufige kurzfristige Ausfälle organisatorische Auswirkungen haben, und gemeinsam eine verlässliche Lösung für die Zusammenarbeit finden.“

Schritt 2: Sammle Fakten, keine Interpretationen

Vor dem Gespräch solltest du Fakten kennen. Zum Beispiel:

  • Wie häufig war die Person abwesend?
  • In welchem Zeitraum?
  • Gab es längere Ausfälle oder viele kurze?
  • Welche Aufgaben waren betroffen?
  • Welche Vertretungssituationen gab es?
  • Welche konkreten Auswirkungen sind entstanden?
Fehlzeiten ansprechen 2

Fehlzeiten ansprechen 2

Wichtig ist: Bleibe bei beobachtbaren Dingen. Nicht: „Du bist immer krank, wenn es unangenehm wird.“

Sondern: „In den letzten vier Monaten gab es fünf krankheitsbedingte Abwesenheiten. In drei Fällen mussten wir Kundentermine kurzfristig umplanen.“ Das ist ein großer Unterschied. Fakten ermöglichen ein Gespräch. Interpretationen erzeugen Verteidigung.

Schritt 3: Prüfe deine eigene Haltung

Das ist vielleicht der wichtigste Vorbereitungsschritt. Frage dich ehrlich:

  • Bin ich gerade sorgenvoll?
  • Bin ich genervt?
  • Bin ich misstrauisch?
  • Bin ich unter Druck, weil das Team murrt?
  • Will ich wirklich klären – oder will ich eigentlich meinen Frust loswerden?

Diese Selbstklärung ist entscheidend. Denn deine Haltung kommt im Gespräch an, auch wenn deine Worte korrekt sind. Du kannst den schönsten Satz sagen – wenn innerlich Vorwurf mitschwingt, merkt die andere Person das.

Schritt 4: Kläre die Grenzen des Gesprächs

Ein Fehlzeitengespräch ist kein Diagnosegespräch. Du solltest also nicht fragen:

  • „Was haben Sie denn genau?“
  • „Ist das psychisch?“
  • „Nehmen Sie Medikamente?“
  • „Warum sind Sie so oft krank?“
  • „War das wirklich nötig, sich krankzumelden?“

Solche Fragen sind problematisch, weil sie medizinische Privatsphäre verletzen, Druck erzeugen oder Misstrauen signalisieren. Du darfst stattdessen fragen:

„Gibt es arbeitsbezogene Faktoren, die zu Ihrer Belastung beitragen?“

„Gibt es etwas, das wir im Arbeitskontext verändern können, damit Sie stabiler arbeiten können?“

Das ist der Unterschied zwischen Diagnose und Arbeitsfähigkeit.

Schritt 5: Wähle den richtigen Rahmen

Fehlzeiten bespricht man nicht zwischen Tür und Angel. Nicht im Großraumbüro. Nicht direkt am ersten Morgen mit Publikum. Nicht in einem Moment, in dem du selbst verärgert bist. Wähle einen geschützten Rahmen. Kündige das Gespräch sachlich an.

Zum Beispiel: „Ich würde gerne in Ruhe mit dir über deinen Wiedereinstieg und die nächsten Wochen sprechen. Passt heute um 14 Uhr ein halbstündiger Termin?“

Schon die Einladung prägt das Gespräch. Die Kernbotschaft der zweiten Leitfrage lautet:

Bereite Fehlzeitengespräche mit Fakten, Zielklarheit und sauberer Rollenabgrenzung vor. Dann wird aus einem heiklen Thema ein professionelles Gespräch.

Praxisformulierungen

4 Gesprächsbeispiele für sensible Fehlzeiten-Gespräche

Diese Formulierungen helfen, ruhig, wertschätzend und arbeitsbezogen zu bleiben — ohne Diagnosen, Vorwürfe oder Druck.

01

Beispiel 1

Rückkehr nach längerer Krankheit

Fokus: Wiedereinstieg gut und konkret klären

Schön, dass du wieder da bist. Ich möchte heute nicht über medizinische Details sprechen, sondern darüber, wie dein Wiedereinstieg gut gelingt. Seit deiner Abwesenheit haben sich in zwei Projekten Prioritäten verändert. Ich würde dir gerne einen Überblick geben und dann gemeinsam sortieren, womit du diese Woche startest. Was brauchst du, um gut wieder reinzukommen?
02

Beispiel 2

Wiederholte Kurzzeitausfälle

Fokus: Beobachtung benennen, ohne Diagnosen zu erfragen

Ich möchte ein sensibles Thema ansprechen. Mir ist aufgefallen, dass du in den letzten vier Monaten mehrfach krankheitsbedingt gefehlt hast. Ich frage nicht nach Diagnosen. Mir geht es darum zu klären, ob es arbeitsbezogene Faktoren gibt, die eine Rolle spielen, und wie wir die nächsten Wochen verlässlicher planen können. Wie nimmst du die Situation selbst wahr?
03

Beispiel 3

Fehlzeiten mit Teamwirkung

Fokus: Auswirkungen und Absicherung besprechen

Ich möchte mit dir über die Auswirkungen der letzten Ausfälle sprechen. Nicht, um dir einen Vorwurf zu machen. Wenn du krank bist, bist du krank. Gleichzeitig mussten wir mehrfach kurzfristig Aufgaben umverteilen, und das belastet das Team. Ich möchte mit dir schauen, wie wir für deine Aufgaben eine bessere Absicherung schaffen können und was du brauchst, um stabil arbeiten zu können.
04

Beispiel 4

Sorge um Überlastung

Fokus: Belastung wahrnehmen, ohne zu drängen

Ich möchte etwas ansprechen, weil ich mir Gedanken mache. Mir fällt auf, dass du zuletzt häufiger gefehlt hast und auch vor den Ausfällen sehr belastet gewirkt hast. Du musst mir nichts Persönliches erzählen. Ich möchte nur verstehen, ob es in der Arbeit etwas gibt, das dich aktuell besonders belastet oder das wir verändern sollten.

Wie spreche ich Fehlzeiten an, ohne nach Diagnosen zu fragen oder Misstrauen zu erzeugen?

Jetzt kommen wir zum Kern: Wie klingt so ein Gespräch konkret? Ich schlage dir eine einfache Struktur vor:

Anlass – Grenze – Beobachtung – Wirkung – Einladung – Klärung.

Das klingt vielleicht technisch, ist aber sehr hilfreich.

Schritt 1: Anlass benennen

Beginne ruhig und klar. „Ich möchte mit dir über deine Fehlzeiten und die aktuelle Arbeitssituation sprechen.“

Oder nach Rückkehr: „Schön, dass du wieder da bist. Ich möchte mit dir besprechen, wie dein Wiedereinstieg gut gelingen kann.“

Oder bei Sorge: „Ich möchte ein Fürsorgegespräch führen, weil ich mir Gedanken mache und weil ich sehe, dass es zuletzt mehrere Ausfälle gab.“

Wichtig: Du musst nicht um das Thema herumschleichen. Das macht es oft unangenehmer.

Schritt 2: Grenze setzen

Direkt danach setzt du die Datenschutz- und Rollen-Grenze.

„Ich werde dich nicht nach einer Diagnose fragen. Das ist privat.“

Oder: „Du musst keine medizinischen Details erzählen. Mir geht es um die Arbeitssituation und darum, ob wir etwas unterstützen können.“

Dieser Satz entspannt viele Gespräche. Denn die betroffene Person merkt: Ich werde nicht ausgefragt.

Schritt 3: Beobachtung konkret machen

Dann nennst du die Beobachtung. „Mir ist aufgefallen, dass du in den letzten drei Monaten mehrfach krankheitsbedingt gefehlt hast.“

Oder: „Seit Jahresbeginn gab es mehrere kurzfristige Abwesenheiten, die wir jeweils am selben Tag auffangen mussten.“

Das sind Fakten.

Schritt 4: Wirkung beschreiben

Jetzt beschreibst du die arbeitsbezogene Wirkung.

  • „Für die Planung bedeutet das, dass wir Aufgaben teilweise sehr kurzfristig umverteilen mussten.“
  • „Im Team entsteht dadurch zusätzliche Belastung, weil Vertretungen spontan übernommen werden.“
  • „Für deine Projekte bedeutet es, dass wir stärker klären müssen, welche Aufgaben abgesichert werden müssen.“

Wichtig: Sage nicht, dass die Person schuld ist. Beschreibe Wirkung.

Schritt 5: Einladung zur Klärung

Jetzt öffnest du das Gespräch.

  • „Ich möchte mit dir schauen, ob es arbeitsbezogene Faktoren gibt, die wir beeinflussen können.“
  • „Was brauchst du, damit der Wiedereinstieg gut gelingt?“
  • „Gibt es Aufgaben, Abläufe oder Belastungen, über die wir sprechen sollten?“
  • „Welche Unterstützung wäre aus deiner Sicht hilfreich?“

Das ist der Fürsorgeteil.

Schritt 6: Gemeinsame Vereinbarung

Am Ende sollten konkrete nächste Schritte stehen.

Zum Beispiel:

  • Prioritäten für die nächsten zwei Wochen.
  • Eine vorübergehende Entlastung.
  • Ein regelmäßiger kurzer Check-in.
  • Eine klare Vertretungsregelung.
  • Ein Gespräch mit HR.
  • Eine Prüfung, ob ein BEM-Verfahren relevant ist.
  • Eine Anpassung von Aufgaben, wenn das möglich und sinnvoll ist.

Ohne Vereinbarung bleibt das Gespräch nett, aber wirkungslos.

Beispiel 1: Rückkehr nach längerer Krankheit

„Schön, dass du wieder da bist. Ich möchte heute nicht über medizinische Details sprechen, sondern darüber, wie dein Wiedereinstieg gut gelingt. Seit deiner Abwesenheit haben sich in zwei Projekten Prioritäten verändert. Ich würde dir gerne einen Überblick geben und dann gemeinsam sortieren, womit du diese Woche startest. Was brauchst du, um gut wieder reinzukommen?“

Beispiel 2: Wiederholte Kurzzeitausfälle

„Ich möchte ein sensibles Thema ansprechen. Mir ist aufgefallen, dass du in den letzten vier Monaten mehrfach krankheitsbedingt gefehlt hast. Ich frage nicht nach Diagnosen. Mir geht es darum zu klären, ob es arbeitsbezogene Faktoren gibt, die eine Rolle spielen, und wie wir die nächsten Wochen verlässlicher planen können. Wie nimmst du die Situation selbst wahr?“

Beispiel 3: Fehlzeiten mit Teamwirkung

„Ich möchte mit dir über die Auswirkungen der letzten Ausfälle sprechen. Nicht, um dir einen Vorwurf zu machen. Wenn du krank bist, bist du krank. Gleichzeitig mussten wir mehrfach kurzfristig Aufgaben umverteilen, und das belastet das Team. Ich möchte mit dir schauen, wie wir für deine Aufgaben eine bessere Absicherung schaffen können und was du brauchst, um stabil arbeiten zu können.“

Beispiel 4: Sorge um Überlastung

„Ich möchte etwas ansprechen, weil ich mir Gedanken mache. Mir fällt auf, dass du zuletzt häufiger gefehlt hast und auch vor den Ausfällen sehr belastet gewirkt hast. Du musst mir nichts Persönliches erzählen. Ich möchte nur verstehen, ob es in der Arbeit etwas gibt, das dich aktuell besonders belastet oder das wir verändern sollten.“

Das ist Fürsorge ohne Diagnose.

Was du besser vermeiden solltest

Vermeide Sätze wie:

  • „Was ist denn schon wieder los?“
  • „Du bist aber oft krank.“
  • „Das fällt langsam auf.“
  • „Das Team fragt sich auch schon, was da los ist.“
  • „Kann ich mich noch auf dich verlassen?“
  • „Ist das wirklich krankheitsbedingt?“
  • „Du musst auch verstehen, dass das so nicht geht.“

Manche dieser Sätze enthalten vielleicht ein echtes Anliegen. Aber sie erzeugen Druck, Scham oder Verteidigung. Die Kernbotschaft der dritten Leitfrage lautet:

Sprich Fehlzeiten klar an, aber frage nicht nach Diagnosen. Benenne Beobachtung und Wirkung, und öffne dann den Raum für arbeitsbezogene Unterstützung und Vereinbarung.

Wie kläre ich arbeitsbezogene Ursachen, Unterstützungsmöglichkeiten und Vereinbarungen?

Ein gutes Fehlzeitengespräch bleibt nicht beim Anlass stehen. Es geht weiter in die Klärung. Aber hier wird es wieder sensibel. Denn du willst nicht in die Gesundheit der Person eindringen. Gleichzeitig willst du wissen, ob die Arbeit selbst einen Anteil hat. Die gute Nachricht ist: Du kannst arbeitsbezogene Faktoren klären, ohne medizinische Details zu erfragen.

Klärungsfeld 1: Belastung

Frage zum Beispiel:

  • „Gibt es aktuell Arbeitsbelastungen, die aus deiner Sicht zu hoch sind?“
  • „Welche Aufgaben kosten dich im Moment besonders viel Kraft?“
  • „Wo entsteht regelmäßig Druck, den wir uns anschauen sollten?“
  • „Gibt es Termine, Abläufe oder Schnittstellen, die dich besonders belasten?“

Diese Fragen sind legitim, weil sie sich auf die Arbeit beziehen.

Klärungsfeld 2: Aufgaben und Prioritäten

Gerade nach Krankheit ist wichtig, dass nicht alles sofort wieder auf dem Tisch liegt.

Fragen können sein:

  • „Welche Aufgaben sollten wir zuerst aufnehmen?“
  • „Was kann warten?“
  • „Was braucht eine Übergabe?“
  • „Welche Fristen sind realistisch?“
  • „Was sollten wir für die nächsten zwei Wochen bewusst nicht von dir erwarten?“

Viele Führungskräfte übersehen, dass Rückkehr nicht automatisch volle Belastbarkeit bedeutet. Gleichzeitig ist es nicht Aufgabe der Führungskraft, die medizinische Belastbarkeit einzuschätzen. Deshalb lautet die arbeitsbezogene Frage:

„Was kannst du aktuell arbeitsbezogen gut leisten, und wo sollten wir vorsichtig planen?“

Klärungsfeld 3: Arbeitsbedingungen

Manchmal liegen Ursachen oder Verstärker in den Arbeitsbedingungen.

Zum Beispiel:

  • zu viele Unterbrechungen,
  • unklare Prioritäten,
  • ständige Erreichbarkeit,
  • Konflikte im Team,
  • fehlende Vertretungsregeln,
  • körperlich belastende Aufgaben,
  • emotional belastende Kundenkontakte,
  • hoher Zeitdruck,
  • fehlende Pausen,
  • unklare Verantwortlichkeiten.

Du kannst fragen:

„Gibt es Arbeitsbedingungen, die wir anpassen sollten, damit du verlässlicher arbeiten kannst?“

„Welche Rahmenbedingungen würden dir helfen, stabiler durch die Woche zu kommen?“

„Was davon liegt in unserem Einflussbereich?“

Klärungsfeld 4: Unterstützung

Unterstützung kann sehr unterschiedlich aussehen.

Nicht jede Unterstützung heißt weniger Arbeit. Manchmal heißt Unterstützung mehr Klarheit.

Mögliche Maßnahmen:

  • Prioritäten schärfen.
  • Aufgaben vorübergehend reduzieren.
  • Vertretung sauber regeln.
  • Arbeitszeiten prüfen.
  • Homeoffice oder Präsenz anders gestalten, sofern möglich.
  • Pausen und Erreichbarkeit klären.
  • Einarbeitung oder Schulung anbieten.
  • Konflikte bearbeiten.
  • Schnittstellen klären.
  • HR, Betriebsarzt, EAP oder BEM-Stelle einbeziehen.

Wichtig ist: Du solltest nicht vorschnell Lösungen anbieten, bevor du verstanden hast, worum es geht.

Frage zuerst: „Was wäre aus deiner Sicht hilfreich?“

Klärungsfeld 5: Verantwortung der betroffenen Person

Fürsorge heißt nicht, dass alle Verantwortung bei der Führungskraft liegt. Auch die betroffene Person trägt Verantwortung, soweit es ihr möglich ist.

Zum Beispiel:

  • frühzeitig kommunizieren,
  • wichtige Übergaben dokumentieren,
  • Risiken rechtzeitig benennen,
  • bei wiederkehrenden Themen Unterstützung annehmen,
  • realistisch einschätzen, was geht und was nicht,
  • Vereinbarungen einhalten.

Das darfst du ansprechen. Das ist keine Härte. Das ist Zusammenarbeit.

Von der Klärung zur Vereinbarung

Am Ende braucht es konkrete Vereinbarungen. Eine gute Vereinbarung beantwortet fünf Fragen:

  • Was wird verändert?
  • Für welchen Zeitraum?
  • Wer macht was?
  • Wie überprüfen wir es?
  • Wann sprechen wir wieder darüber?

Was tun, wenn die Person nichts sagen möchte?

Das kann passieren. Die Person sagt vielleicht:

„Ich möchte dazu nichts sagen.“

Oder: „Das ist privat.“

Oder: „Es gibt nichts zu besprechen.“

Dann respektierst du die Grenze. Aber du darfst trotzdem die arbeitsbezogene Ebene klären.

Du kannst sagen:

„Das respektiere ich. Medizinische Details musst du nicht teilen. Gleichzeitig müssen wir die Arbeitssituation planen. Lass uns deshalb unabhängig von den Gründen besprechen, wie wir Aufgaben, Vertretung und Kommunikation für die nächsten Wochen regeln.“

Das ist ein wichtiger Satz. Privatsphäre bleibt geschützt. Führung bleibt handlungsfähig.

Die Kernbotschaft der vierten Leitfrage lautet:

Du brauchst keine Diagnose, um arbeitsbezogene Ursachen, Unterstützungsmöglichkeiten und Vereinbarungen zu klären. Bleibe bei Arbeit, Belastung, Rahmenbedingungen und konkreten nächsten Schritten.

Wie gehe ich mit wiederholten Fehlzeiten, Teamdruck und BEM-Schnittstellen um?

Jetzt kommen wir zu den schwierigeren Fällen.

  • Was ist, wenn Fehlzeiten immer wieder auftreten?
  • Was ist, wenn das Team zunehmend belastet ist?
  • Was ist, wenn du selbst unsicher wirst, ob du noch planen kannst?

Und wann kommt HR oder das betriebliche Eingliederungsmanagement ins Spiel?

Wiederholte Fehlzeiten: Nicht jedes Mal neu anfangen

Wenn Fehlzeiten wiederholt auftreten, solltest du nicht jedes Gespräch so führen, als wäre es das erste. Stattdessen brauchst du Verlauf.

Das heißt:

  • Was wurde bereits besprochen?
  • Welche Unterstützung wurde angeboten?
  • Welche Vereinbarungen gab es?
  • Was hat funktioniert?
  • Was hat nicht funktioniert?
  • Was hat sich verändert?

Teamdruck: Die betroffene Person schützen, das Team nicht vergessen

Fehlzeiten wirken auf Teams. Und manchmal entsteht eine gefährliche Dynamik.

Einige Kolleginnen und Kollegen übernehmen immer wieder Vertretung. Sie werden müde. Sie fragen sich, ob es gerecht ist. Sie wollen vielleicht wissen, was los ist. Und du als Führungskraft darfst dazu keine persönlichen Informationen weitergeben.

Das ist eine anspruchsvolle Lage.

Wenn das Team murrt, kannst du sagen:

„Ich verstehe, dass die Zusatzbelastung frustrierend ist. Gleichzeitig werden wir nicht über persönliche Gesundheitsthemen einzelner sprechen. Was wir aber tun können, ist die Vertretungsregelung verbessern und Prioritäten klarer setzen.“

Damit nimmst du den Druck ernst, ohne die erkrankte Person zum Thema zu machen.

Vertretung ist kein Nebenthema

Viele Fehlzeitenprobleme werden schlimmer, weil Vertretung schlecht organisiert ist.

Dann hängt alles an einzelnen Personen. Wissen ist nicht dokumentiert. Aufgaben sind nicht priorisiert. Und wenn jemand ausfällt, wird improvisiert. Das erzeugt Stress für alle.Deshalb ist ein Teil der Lösung nicht das Gespräch mit der kranken Person, sondern die bessere Organisation.

Frage im Team:

  • Welche Aufgaben müssen bei Ausfall zwingend weiterlaufen?
  • Welche Aufgaben können pausieren?
  • Wo brauchen wir Stellvertretung?
  • Was muss dokumentiert sein?
  • Welche Informationen müssen für Vertretungen zugänglich sein?
  • Wer entscheidet bei kurzfristigen Ausfällen über Prioritäten?

Das klingt weniger emotional, ist aber hoch wirksam.

HR einbeziehen: Nicht erst, wenn es eskaliert

Viele Führungskräfte holen HR erst dazu, wenn sie nicht mehr weiterwissen. Besser ist es, HR früh als Sparringspartner zu nutzen. Zum Beispiel wenn:

  • Fehlzeiten wiederholt auftreten,
  • du unsicher bist, welche Fragen zulässig sind,
  • ein BEM-Verfahren relevant werden könnte,
  • die Teamlast steigt,
  • Arbeitsbedingungen angepasst werden sollen,
  • Konflikte oder Leistungsfragen mit Krankheit vermischt werden,
  • Dokumentation wichtig wird.

Das ist professionell.

BEM: Nicht als Drohung, sondern als Unterstützungsangebot verstehen

In Deutschland gibt es das betriebliche Eingliederungsmanagement, kurz BEM. Wenn Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind, muss der Arbeitgeber ein BEM anbieten.

Wichtig für deine Kommunikation: BEM sollte nicht wie eine Drohung klingen.

Nicht: „Jetzt müssen wir aber mal BEM machen.“

Als Führungskraft solltest du wissen, wie das BEM in deinem Unternehmen organisiert ist. Wer lädt ein? Welche Rolle hat HR? Gibt es Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung, Betriebsarzt? Welche Informationen werden dokumentiert? Was bleibt vertraulich?

Du musst nicht alles selbst durchführen. Aber du solltest wissen, wann du weiterleitest.

Wenn du Misstrauen hast

Manchmal sind Führungskräfte ehrlich gesagt misstrauisch. Vielleicht gibt es auffällige Muster. Vielleicht kommen Krankmeldungen immer in bestimmten Situationen. Vielleicht gibt es Hinweise aus dem Team. Auch dann gilt: Vorsicht.

Misstrauen ist kein guter Gesprächsführer. Du solltest nicht ermitteln. Du solltest keine Diagnose prüfen. Du solltest keine indirekten Vorwürfe machen. Bleibe bei Fakten und Auswirkungen.

„Mir ist aufgefallen, dass es wiederholt kurzfristige Ausfälle in bestimmten Projektphasen gab. Unabhängig von den Gründen müssen wir klären, wie wir die Projektverantwortung absichern. Ich möchte mit dir besprechen, welche Aufgaben du verbindlich übernehmen kannst und welche Vertretungsregel wir brauchen.“

Wenn es arbeitsrechtlich relevant wird, hol HR dazu. Nicht, weil du das Gespräch abgeben willst, sondern weil dann sauberes Vorgehen besonders wichtig ist.

Nachhalten: Das vergessene Führungsinstrument

Viele Fehlzeitengespräche enden freundlich – und dann passiert nichts.

Das ist schade. Wenn ihr Vereinbarungen trefft, braucht es Nachhalten.

Zum Beispiel:

  • „Wir sprechen in zwei Wochen wieder und schauen, ob die Prioritäten passen.“
  • „Ich halte fest, dass wir bis Ende des Monats die Vertretungsregel testen.“
  • „Du gibst mir jeweils donnerstags kurz Bescheid, ob Fristen gefährdet sind.“
  • „Ich kläre mit HR, welche Unterstützungsangebote es gibt.“
  • „Wir prüfen im nächsten Teammeeting, welche Aufgaben bei Ausfall wirklich kritisch sind.“

Nachhalten ist keine Kontrolle. Nachhalten ist Verlässlichkeit.

Die Kernbotschaft der fünften Leitfrage lautet:

Wiederholte Fehlzeiten brauchen Struktur: Verlauf statt Einzelfall, Teamsteuerung statt Gerüchte, HR-Sparring statt Alleingang und BEM als Unterstützungsprozess statt Drohkulisse.

Zusammenfassung – Fehlzeiten ansprechen

Fassen wir die heutige Folge zusammen. Es ging um Fehlzeiten im Team und um die Frage:

Wie führe ich ein Fürsorgegespräch, ohne Druck aufzubauen?

Erstens: Fehlzeiten werden dann zum Führungs- und Fürsorgethema, wenn Muster entstehen, Auswirkungen auf Arbeit und Team sichtbar werden, du dir Sorgen machst oder ein Wiedereinstieg gestaltet werden muss.

Zweitens: Gute Vorbereitung ist entscheidend. Kläre dein Ziel, sammle Fakten statt Interpretationen, prüfe deine Haltung, beachte die Grenzen des Gesprächs und wähle einen geschützten Rahmen.

Drittens: Sprich Fehlzeiten klar an, aber frage nicht nach Diagnosen. Nutze die Struktur Anlass, Grenze, Beobachtung, Wirkung, Einladung und Klärung.

Viertens: Du kannst arbeitsbezogene Ursachen und Unterstützungsmöglichkeiten klären, ohne in medizinische Details zu gehen. Frage nach Belastung, Aufgaben, Prioritäten, Arbeitsbedingungen, Unterstützung und konkreten Vereinbarungen.

Fünftens: Wiederholte Fehlzeiten brauchen Struktur. Nicht jedes Gespräch neu beginnen, sondern Verlauf betrachten. Das Team steuern, ohne private Informationen zu teilen. HR früh einbeziehen. Und BEM als Unterstützungsprozess verstehen, nicht als Drohung.

Die wichtigste Botschaft lautet:

Du musst nicht wissen, warum jemand krank ist, um gut zu führen.

Aber du darfst klären, was die Fehlzeiten für Arbeit, Team und Wiedereinstieg bedeuten.

Und du darfst Unterstützung anbieten, Grenzen benennen und Vereinbarungen treffen.

Gute Führung bei Fehlzeiten ist weder Kontrolle noch Wegschauen.

Sie ist eine klare, respektvolle Einladung:

Lass uns schauen, was arbeitsbezogen los ist, was wir beeinflussen können und wie Zusammenarbeit wieder verlässlicher gelingt.

Aktuelle Folgen

Fehlzeiten ansprechen im Team – Fürsorge zeigen, ohne Druck aufzubauen

Fehlzeiten ansprechen gehören zum Arbeitsleben. Menschen werden krank, brauchen Erholung und fallen manchmal aus. Gleichzeitig können häufige oder längere Fehlzeiten für Teams zur Belastung werden. Heute gebe ich dir Tipps, wie Du wirkungsvolle Gespräche führst.

Warum denkt hier keiner mit? Wie du reaktive Mitarbeitende in Bewegung bringst

Wie fördere ich Eigeninitiative? Die Mitarbeiter denken nicht mit und Du reibst dich in der Rolle als Führungskraft auf. So veränderst du dein Team.

Präsenz-Bias im hybriden Team: Wer wird gesehen, wer wird übersehen?

In dieser Ausgabe sprechen wir über den Präsenz-Bias in hybriden Teams und die Gefahr Leistung und Mitarbeiter zu übersehen.