Wie gehe ich mit wiederholten Fehlzeiten, Teamdruck und BEM-Schnittstellen um?
Jetzt kommen wir zu den schwierigeren Fällen.
- Was ist, wenn Fehlzeiten immer wieder auftreten?
- Was ist, wenn das Team zunehmend belastet ist?
- Was ist, wenn du selbst unsicher wirst, ob du noch planen kannst?
Und wann kommt HR oder das betriebliche Eingliederungsmanagement ins Spiel?
Wiederholte Fehlzeiten: Nicht jedes Mal neu anfangen
Wenn Fehlzeiten wiederholt auftreten, solltest du nicht jedes Gespräch so führen, als wäre es das erste. Stattdessen brauchst du Verlauf.
Das heißt:
- Was wurde bereits besprochen?
- Welche Unterstützung wurde angeboten?
- Welche Vereinbarungen gab es?
- Was hat funktioniert?
- Was hat nicht funktioniert?
- Was hat sich verändert?
Teamdruck: Die betroffene Person schützen, das Team nicht vergessen
Fehlzeiten wirken auf Teams. Und manchmal entsteht eine gefährliche Dynamik.
Einige Kolleginnen und Kollegen übernehmen immer wieder Vertretung. Sie werden müde. Sie fragen sich, ob es gerecht ist. Sie wollen vielleicht wissen, was los ist. Und du als Führungskraft darfst dazu keine persönlichen Informationen weitergeben.
Das ist eine anspruchsvolle Lage.
Wenn das Team murrt, kannst du sagen:
„Ich verstehe, dass die Zusatzbelastung frustrierend ist. Gleichzeitig werden wir nicht über persönliche Gesundheitsthemen einzelner sprechen. Was wir aber tun können, ist die Vertretungsregelung verbessern und Prioritäten klarer setzen.“
Damit nimmst du den Druck ernst, ohne die erkrankte Person zum Thema zu machen.
Vertretung ist kein Nebenthema
Viele Fehlzeitenprobleme werden schlimmer, weil Vertretung schlecht organisiert ist.
Dann hängt alles an einzelnen Personen. Wissen ist nicht dokumentiert. Aufgaben sind nicht priorisiert. Und wenn jemand ausfällt, wird improvisiert. Das erzeugt Stress für alle.Deshalb ist ein Teil der Lösung nicht das Gespräch mit der kranken Person, sondern die bessere Organisation.
Frage im Team:
- Welche Aufgaben müssen bei Ausfall zwingend weiterlaufen?
- Welche Aufgaben können pausieren?
- Wo brauchen wir Stellvertretung?
- Was muss dokumentiert sein?
- Welche Informationen müssen für Vertretungen zugänglich sein?
- Wer entscheidet bei kurzfristigen Ausfällen über Prioritäten?
Das klingt weniger emotional, ist aber hoch wirksam.
HR einbeziehen: Nicht erst, wenn es eskaliert
Viele Führungskräfte holen HR erst dazu, wenn sie nicht mehr weiterwissen. Besser ist es, HR früh als Sparringspartner zu nutzen. Zum Beispiel wenn:
- Fehlzeiten wiederholt auftreten,
- du unsicher bist, welche Fragen zulässig sind,
- ein BEM-Verfahren relevant werden könnte,
- die Teamlast steigt,
- Arbeitsbedingungen angepasst werden sollen,
- Konflikte oder Leistungsfragen mit Krankheit vermischt werden,
- Dokumentation wichtig wird.
Das ist professionell.
BEM: Nicht als Drohung, sondern als Unterstützungsangebot verstehen
In Deutschland gibt es das betriebliche Eingliederungsmanagement, kurz BEM. Wenn Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind, muss der Arbeitgeber ein BEM anbieten.
Wichtig für deine Kommunikation: BEM sollte nicht wie eine Drohung klingen.
Nicht: „Jetzt müssen wir aber mal BEM machen.“
Als Führungskraft solltest du wissen, wie das BEM in deinem Unternehmen organisiert ist. Wer lädt ein? Welche Rolle hat HR? Gibt es Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung, Betriebsarzt? Welche Informationen werden dokumentiert? Was bleibt vertraulich?
Du musst nicht alles selbst durchführen. Aber du solltest wissen, wann du weiterleitest.
Wenn du Misstrauen hast
Manchmal sind Führungskräfte ehrlich gesagt misstrauisch. Vielleicht gibt es auffällige Muster. Vielleicht kommen Krankmeldungen immer in bestimmten Situationen. Vielleicht gibt es Hinweise aus dem Team. Auch dann gilt: Vorsicht.
Misstrauen ist kein guter Gesprächsführer. Du solltest nicht ermitteln. Du solltest keine Diagnose prüfen. Du solltest keine indirekten Vorwürfe machen. Bleibe bei Fakten und Auswirkungen.
„Mir ist aufgefallen, dass es wiederholt kurzfristige Ausfälle in bestimmten Projektphasen gab. Unabhängig von den Gründen müssen wir klären, wie wir die Projektverantwortung absichern. Ich möchte mit dir besprechen, welche Aufgaben du verbindlich übernehmen kannst und welche Vertretungsregel wir brauchen.“
Wenn es arbeitsrechtlich relevant wird, hol HR dazu. Nicht, weil du das Gespräch abgeben willst, sondern weil dann sauberes Vorgehen besonders wichtig ist.
Nachhalten: Das vergessene Führungsinstrument
Viele Fehlzeitengespräche enden freundlich – und dann passiert nichts.
Das ist schade. Wenn ihr Vereinbarungen trefft, braucht es Nachhalten.
Zum Beispiel:
- „Wir sprechen in zwei Wochen wieder und schauen, ob die Prioritäten passen.“
- „Ich halte fest, dass wir bis Ende des Monats die Vertretungsregel testen.“
- „Du gibst mir jeweils donnerstags kurz Bescheid, ob Fristen gefährdet sind.“
- „Ich kläre mit HR, welche Unterstützungsangebote es gibt.“
- „Wir prüfen im nächsten Teammeeting, welche Aufgaben bei Ausfall wirklich kritisch sind.“
Nachhalten ist keine Kontrolle. Nachhalten ist Verlässlichkeit.
Die Kernbotschaft der fünften Leitfrage lautet:
Wiederholte Fehlzeiten brauchen Struktur: Verlauf statt Einzelfall, Teamsteuerung statt Gerüchte, HR-Sparring statt Alleingang und BEM als Unterstützungsprozess statt Drohkulisse.