Wenn Führung nur noch Kraft kostet, braucht es Klarheit statt vorschneller Rückzugsentscheidungen.
Viele Führungskräfte erleben irgendwann einen Moment, in dem sie denken: Ich möchte kein Teamleiter mehr sein. Doch was steckt wirklich hinter diesem Wunsch? Ist es die Führungsrolle selbst – oder sind es Überlastung, Personalmangel, Konflikte im Team, fehlende Rückendeckung oder ein Umfeld, das gute Führung fast unmöglich macht?
In dieser Folge geht es darum, wie Führungskräfte den Gedanken, aus der Führung auszusteigen, ernsthaft und differenziert prüfen können. Es geht um die Unterscheidung zwischen Rolle und Rahmenbedingungen, zwischen akuter Erschöpfung und grundsätzlicher fehlender Passung. Außerdem zeigt die Episode, wie man systematisch herausarbeitet, welche Teile der Führungsarbeit Energie kosten, welche noch Sinn geben und welche Handlungsoptionen es vor einer endgültigen Entscheidung gibt.
Die Folge ist besonders relevant für Teamleiter, Abteilungsleiter und andere Menschen mit Führungsverantwortung, die unter Führungsdruck, Überforderung in der Führungsrolle, Erschöpfung im Job, innerer Kündigung als Führungskraft oder dem Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung leiden. Wer sich fragt, ob ein Rollenwechsel, der Schritt zurück aus der Personalverantwortung oder eine Rückkehr in die Fachkarriere sinnvoll sein könnte, bekommt hier Orientierung, Reflexionshilfen und konkrete Denkwerkzeuge.
Keywords:
Raus aus Führung, Führungskraft, Teamleiter, Führungsrolle, Personalverantwortung, Führungsmüdigkeit, Überforderung als Führungskraft, Erschöpfung im Job, Teamleitung abgeben, Rücktritt als Führungskraft, Fachkarriere, berufliche Neuorientierung, Leadership, Führung im mittleren Management, Konflikte im Team, Rollenklärung, Karriereentscheidung, Burnout Prävention Führungskraft, Führungsalltag, Entscheidungshilfe Führung
Du willst tiefer einsteigen? Hier findest du meine Angebote:
🔹 Führungskräftetraining in NRW – Präsenztrainings mit Tiefgang
🔹 Coaching für Führungskräfte im Ruhrgebiet – individuell und praxisnah
🔹 Teamentwicklung und Teambuilding in NRW – für starke Zusammenarbeit
Wenn du Fragen zur Folge hast oder deine Gedanken teilen möchtest – schreib mir gern.
Und wie immer: Wenn dir diese Folge gefallen hat, freue ich mich über eine Bewertung, dein Abo oder eine Weiterempfehlung.
Aktuelle Folgen
Raus aus Führung – Was Teamleiter jetzt klären sollten!
Raus aus Führung. Viele hadern mit Rolle und woll kein Teamleiter mehr sein. Hier erkläre ich, wie du das Dilemma löst.
HR als Partner für Führung – So stärkst du die Zusammenarbeit mit Personal
HR als Partner für Führung. Wie gelingt eine gute Zusammenarbeit mit HR. Was du tun kannst, um HR als Sparringspartner zu gewinnen. Hier mehr
Schweigekultur im Team: Warum Probleme keiner anspricht
Wie entsteht Schweigekultur im Team — und was können Führungskräfte tun, damit Probleme früher, klarer und sicherer angesprochen werden?
Inhaltsverzeichnis
Gründe, warum ich Raus aus Führung will?
Raus aus Führung – Die eigene Historie klären — und was hat dieses Gefühl ausgelöst?
Welche Anteile meiner Rolle kosten mich am meisten Energie — und welche geben mir noch Sinn?
Welche Folgen hätte es, zu bleiben — und welche, die Führungsrolle abzugeben?
Welche Handlungsoptionen habe ich konkret, bevor ich eine endgültige Entscheidung treffe?
Intro
Nicht jede Führungskraft, die aus ihrer Rolle raus will, ist ungeeignet. Manchmal ist sie schlicht erschöpft, enttäuscht oder innerlich an einem Punkt angekommen, an dem die bisherige Rolle nicht mehr passt. In dieser Folge geht es darum, wie Führungskräfte diesen Wunsch ernst nehmen können, ohne vorschnell hinzuschmeißen — und ohne gegen sich selbst zu arbeiten.
Gründe, warum ich Raus aus Führung will?
Viele Führungskräfte sagen irgendwann: „Ich kann das nicht mehr“ oder „Ich will das nicht mehr“. Aber oft bleibt unklar, worauf sich dieses Gefühl eigentlich richtet. Ist es wirklich die Führungsrolle? Oder sind es endlose Abstimmungsschleifen, Personalmangel, Druck von oben, Konflikte im Team oder das Gefühl, zwischen allen Stühlen zu sitzen?
Wenn diese Unterscheidung nicht gemacht wird, entsteht schnell eine typische Fehlentscheidung: Jemand will die Rolle komplett loswerden, obwohl eigentlich die Bedingungen das Hauptproblem sind. Das ist wichtig, denn wer das Falsche beendet, nimmt das eigentliche Problem womöglich einfach mit in die nächste Position.
Hier hilft die Unterscheidung zwischen Rolle und Kontext. Die Rolle beschreibt die Aufgabe an sich: Orientierung geben, entscheiden, Verantwortung tragen, Menschen entwickeln. Der Kontext beschreibt, unter welchen Bedingungen das geschieht: Ressourcen, Unternehmenskultur, Unterstützung, Erwartungen, Prozesse.
Aus der Arbeitspsychologie wissen wir: Belastung entsteht nicht nur durch die Aufgabe selbst, sondern sehr stark durch fehlende Handlungsspielräume, widersprüchliche Erwartungen und dauerhafte Überforderung. Das erinnert an bekannte Modelle wie das Job-Demands-Resources-Modell: Hohe Anforderungen sind nicht automatisch problematisch — kritisch wird es dann, wenn Ressourcen, Unterstützung und Gestaltungsspielraum fehlen.
Hilfreich ist hier eine einfache Trennlinien-Reflexion mit zwei Spalten:
Spalte 1: Was belastet mich an Führung grundsätzlich?
Spalte 2: Was belastet mich an meinem aktuellen Setting?
Dann werden alle Punkte ehrlich einsortiert.
Zum Beispiel:
- Mitarbeitergespräche führen → eher Rolle
- Ständige Eskalationen wegen Personalmangel → eher Setting
- Entscheidungen treffen → eher Rolle
- Keine Rückendeckung durch die eigene Führungskraft → eher Setting
So wird oft sichtbar: Nicht Führung ist das Problem, sondern Führung unter diesen Bedingungen.
Ein Teamleiter sagt zunächst: „Ich will keine Personalverantwortung mehr.“ Im Gespräch zeigt sich aber: Er entwickelt Mitarbeitende eigentlich gerne, ist aber zermürbt von Dauerunterbesetzung und permanentem Krisenmodus. Sein Problem ist also nicht primär Führung, sondern ein System, das ihn in der Rolle verbrennt.
Die erste wichtige Klärung lautet also: Will ich wirklich raus aus Führung — oder raus aus einem Kontext, der Führung kaum sinnvoll möglich macht?
Seit wann denke ich so — und was hat dieses Gefühl ausgelöst?
Problem-Szene
Manche Führungskräfte tragen diesen Gedanken schon lange in sich. Andere denken ihn plötzlich nach einer Eskalation, einer Umstrukturierung oder mehreren Monaten Überlastung. Beides ist nicht dasselbe.
Wer einen akuten Erschöpfungszustand mit einer grundsätzlichen Berufsentscheidung verwechselt, trifft womöglich eine Entscheidung aus dem Tunnelblick heraus. Umgekehrt kann jemand seit Jahren spüren, dass die Rolle nicht mehr passt, und redet sich trotzdem ein, es sei nur eine Phase.
Modell / Theorie
Hier hilft die Unterscheidung zwischen Zustand und Passung.
Ein Zustand ist vorübergehend: Erschöpfung, Frust, Enttäuschung, Kränkung, Überforderung.
Passung meint etwas Grundsätzlicheres: Entspricht die Rolle noch den eigenen Stärken, Motiven, Werten und Lebenszielen?
Psychologisch relevant ist außerdem: In Stressphasen verengt sich das Denken. Dann wirkt „alles hinschmeißen“ oft wie die einzige Lösung, obwohl es vielleicht nur die schnellste Flucht aus Überlastung ist. Deshalb lohnt sich die Frage nach dem Verlauf: Seit wann ist das so? Nach welchem Ereignis wurde es schlimmer? Gab es auch Phasen, in denen die Rolle stimmig war?
Praxis-Tool
Ein gutes Instrument ist eine Rollen-Zeitlinie.
Die Führungskraft schaut auf die letzten 12 bis 24 Monate und markiert:
- Wann war die Rolle noch tragbar oder sogar sinnvoll?
- Wann kippte es?
- Welche Ereignisse waren Wendepunkte?
- Welche Belastungen waren vorübergehend, welche dauerhaft?
- Wurde es mit Erholung besser — oder blieb der Wunsch zu gehen bestehen?
Diese Rückschau schützt vor vorschnellen Entscheidungen und hilft zugleich, echte Muster zu erkennen.
Wer verstehen will, was gerade los ist, muss den Zeitpunkt und die Auslöser kennen. Sonst verwechselt man schnell Erschöpfung mit fehlender Eignung.
Welche Anteile meiner Rolle kosten mich am meisten Energie — und welche geben mir noch Sinn?
Führung ist nie nur eine einzige Tätigkeit. Sie besteht aus ganz unterschiedlichen Anteilen: Orientierung geben, Konflikte moderieren, Entscheidungen treffen, Leistung einfordern, organisieren, kommunizieren, Menschen fördern. Manche davon liegen einer Führungskraft. Andere zerren dauerhaft.
Wenn am Ende nur noch auf das geschaut wird, was anstrengend ist, verschwindet oft der Blick auf das, was vielleicht noch trägt. Genau darin liegt aber ein wichtiger Hinweis: Muss die Rolle beendet werden — oder nur anders zugeschnitten werden?
Hier lohnt sich ein Blick auf die Idee von Person-Role-Fit und auf Motivationsforschung: Menschen bleiben in anspruchsvollen Rollen dann stabil, wenn ihre Arbeit wenigstens teilweise zu ihren Stärken, Motiven und Werten passt. Wenn die täglichen Aufgaben aber dauerhaft gegen das eigene Profil laufen, steigt die innere Kündigung.
Nicht jede Führungskraft muss alles gleich gerne tun. Aber wenn nahezu alle zentralen Bestandteile der Rolle Energie ziehen und kaum etwas als sinnvoll erlebt wird, ist das ein ernstes Signal.
Praxis-Tool
Ein einfaches und wirksames Werkzeug ist eine Energie-Sinn-Matrix.
Für typische Bestandteile der Führungsrolle werden zwei Fragen bewertet:
- Wie viel Energie kostet mich das?
- Wie viel Sinn oder Zufriedenheit gibt mir das?
Zum Beispiel für:
- Mitarbeiterentwicklung
- Konfliktklärung
- schwierige Gespräche
- Abstimmung mit anderen Bereichen
- Priorisieren und Entscheiden
- operative Krisen
- strategische Weiterentwicklung
Dann entstehen vier Felder:
- kostet viel Energie, gibt aber Sinn
- kostet viel Energie, gibt wenig Sinn
- kostet wenig Energie, gibt viel Sinn
- kostet wenig Energie, gibt wenig Sinn
Besonders aufschlussreich ist das Feld: kostet viel Energie, gibt wenig Sinn. Dort sitzt oft der größte Veränderungsbedarf.
Die entscheidende Frage ist nicht nur: Bin ich müde? Sondern auch: Wofür lohnt sich diese Rolle für mich noch — und wofür schon lange nicht mehr?
Welche Folgen hätte es, zu bleiben — und welche, die Führungsrolle abzugeben?
Viele Führungskräfte bleiben viel zu lange in einer Rolle, die sie innerlich bereits verlassen haben. Aus Loyalität, Pflichtgefühl, Statusdenken oder aus Angst vor dem Signal: „Dann habe ich wohl versagt.“ Gleichzeitig wird die Vorstellung zu gehen oft ebenfalls dramatisiert: Karriereknick, Gesichtsverlust, Enttäuschung fürs Team.
Beides verzerrt die Entscheidung. Wer nur die Risiken des Gehens sieht, bleibt möglicherweise ungesund lange. Wer nur die Entlastung sieht, unterschätzt vielleicht die Konsequenzen.
Hier hilft ein nüchterner Blick auf Kosten des Bleibens und Kosten des Gehens. Diese Art von Abwägung kennt man auch aus Entscheidungsmodellen und aus der Karriereberatung. Wichtig ist: Nicht nur die kurzfristige Entlastung zählt, sondern auch die mittel- und langfristigen Wirkungen.
Zu bedenken sind mindestens vier Ebenen:
- eigene Gesundheit
- berufliche Entwicklung
- Wirkung aufs Team
- privates Umfeld
Gerade für Führungskräfte ist relevant: Ein halbherziges Bleiben ist nicht neutral. Es hat ebenfalls Folgen — für Entscheidungen, Präsenz, Klarheit und Beziehungsgestaltung im Team.
Praxis-Tool
Hier eignet sich eine Entscheidungsmatrix mit zwei Szenarien:
Szenario A: Ich bleibe in der Rolle.
Szenario B: Ich gebe die Rolle ab.
Für beide Szenarien werden die wahrscheinlichen Folgen notiert:
- in 3 Monaten
- in 12 Monaten
- in 2 Jahren
Diese zeitliche Staffelung ist wichtig. Denn kurzfristig kann Bleiben einfacher wirken und Gehen schmerzhaft. Langfristig kann es genau umgekehrt sein.
Nicht nur das Gehen hat Konsequenzen. Auch das Bleiben hat welche. Und genau deshalb braucht es eine bewusste Abwägung statt stilles Ausharren.
Welche Handlungsoptionen habe ich konkret, bevor ich eine endgültige Entscheidung treffe?
Zwischen „Augen zu und durch“ und „Ich kündige die Führungsrolle sofort“ gibt es oft mehr Möglichkeiten, als Betroffene zunächst sehen. In Krisen denken Menschen jedoch gern in Extremen. Dadurch wird die Lage unnötig eng.
Gerade Führungskräfte, die sich verantwortlich fühlen, schieben Entscheidungen oft so lange hinaus, bis nur noch der harte Schnitt möglich scheint. Klüger ist es, vorher systematisch Handlungsoptionen zu prüfen.
Hier hilft lösungsorientiertes Denken: Statt nur zu fragen „Bleiben oder gehen?“ wird gefragt: Welche Varianten, Zwischenschritte und Testlösungen gibt es? Das erweitert den Handlungsspielraum und nimmt Druck aus der Entscheidung.
Karrierewege verlaufen heute zudem viel weniger linear als früher. Der Wechsel aus Führung in eine Fachrolle ist nicht automatisch ein Scheitern. Er kann eine bewusste Neujustierung sein — vorausgesetzt, er wird aktiv gestaltet und nicht bloß als Rückzug erlebt.
Praxis-Tool
Eine nützliche Methode ist die Optionen-Landkarte.
Dabei notiert die Führungskraft mindestens fünf reale Möglichkeiten:
- Rolle im Gespräch neu zuschneiden
zum Beispiel Verantwortungsbereiche klären, operative Last reduzieren, Prioritäten schärfen - Unterstützung einfordern
etwa Coaching, Sparring, HR-Begleitung, Entlastung im Alltag, zusätzliche Ressourcen - Verantwortung anders verteilen
mehr Delegation, Stellvertretung, klare Zuständigkeiten im Team - Zeitlich befristete Entlastung prüfen
Pause, Übergangsmodell, vorübergehende Rollenveränderung - Geordnet in eine andere Rolle wechseln
etwa in eine Fachkarriere, Projektrolle oder Schnittstellenfunktion
Dann wird jede Option bewertet:
- Wie realistisch ist sie?
- Wie wirksam wäre sie?
- Was wäre mein erster konkreter Schritt?
Wrap-up
Wer sich nur zwischen Durchhalten und Rückzug entscheiden will, macht den Entscheidungsraum künstlich klein. Besser ist: erst Optionen sichtbar machen, dann entscheiden.
Outro
Der Wunsch, keine Teamleitung mehr sein zu wollen, ist kein Tabu und kein automatischer Beweis für Schwäche. Manchmal ist er ein Warnsignal für Überlastung. Manchmal ein Hinweis auf mangelnde Passung. Und manchmal der Beginn einer sinnvollen beruflichen Neuorientierung.
Entscheidend ist, diesen Wunsch nicht vorschnell wegzudrücken — aber auch nicht vorschnell zu dramatisieren. Wer sauber hinschaut, trennt zwischen Rolle und Kontext, zwischen Zustand und Passung, zwischen Überforderung und echter Neuentscheidung. Genau daraus entsteht Klarheit.
Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann freue ich mich, wenn du sie teilst, mir eine Bewertung darlässt – oder einfach beim nächsten Mal wieder reinhörst.
Aktuelle Folgen
Raus aus Führung – Was Teamleiter jetzt klären sollten!
Raus aus Führung. Viele hadern mit Rolle und woll kein Teamleiter mehr sein. Hier erkläre ich, wie du das Dilemma löst.
HR als Partner für Führung – So stärkst du die Zusammenarbeit mit Personal
HR als Partner für Führung. Wie gelingt eine gute Zusammenarbeit mit HR. Was du tun kannst, um HR als Sparringspartner zu gewinnen. Hier mehr
Schweigekultur im Team: Warum Probleme keiner anspricht
Wie entsteht Schweigekultur im Team — und was können Führungskräfte tun, damit Probleme früher, klarer und sicherer angesprochen werden?

