Podcast „Zuhören Fragen Führen“ – Folge 129

Führungskontinuum nach Tannenbaum und Schmidt

Ein wesentliches Merkmal in den verhaltensorientierten Ansätzen war die Unterscheidung von Aufgaben- und Mitarbeiterorientierung.

Führst Du aufgabenzentriert, dann konzentriert sich deine Beziehung zu den Mitarbeitenden in erster Linie darauf, zu organisieren, zu planen und zu koordinieren, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen. Führst du mitarbeiterzentriert, konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Führungskraft im Arbeitsprozess auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Mitarbeitenden, wie z. B. Arbeitszufriedenheit, Entwicklungsmöglichkeiten etc.

Dauer: 24 Minuten – Veröffentlicht am 15.07.2026

Ein wesentliches Merkmal in den verhaltensorientierten Ansätzen war die Unterscheidung von Aufgaben- und Mitarbeiterorientierung.

Führst Du aufgabenzentriert, dann konzentriert sich deine Beziehung zu den Mitarbeitenden in erster Linie darauf, zu organisieren, zu planen und zu koordinieren, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen. Führst du mitarbeiterzentriert, konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Führungskraft im Arbeitsprozess auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Mitarbeitenden, wie z. B. Arbeitszufriedenheit, Entwicklungsmöglichkeiten etc.

Und vielleicht erinnerst Du dich an die Ausgabe zum Verhaltensgitter von Blake und Mouton zurück. Dort habe ich gesagt, dass Aufgaben- und Mitarbeiterorientierung sich nicht gegenseitig ausschließen. Du als Führungskraft kannst also beide Facetten gleichzeitig bedienen. Heute spreche ich aber über eine Methode, die diese Unterscheidung nicht macht.

Die Rede ist vom Führungskontinuum von Tannenbaum und Schmidt. Die Beiden haben in ihren Arbeiten festgelegt, dass sich Aufgabenorientierte und Mitarbeiterorientierte Verhaltensweisen ausschließen. Ihr Modell ist also eher eindimensional, während das Verhaltensgitter zwei Dimensionen aufzeigt und somit schon etwas flexibler daher kommt.

Tannenbaum und Schmidt haben den autoritären Führungsstil und den kooperativen Führungsstil als Pole genutzt und einen Zusammenhang zwischen diesen entwickelt.

Was ist das Führungskontinuum?

Das Führungskontinuum, entwickelt von Robert Tannenbaum und Warren H. Schmidt, ist ein Modell, das die Bandbreite der Führungsstile abbildet – von autoritär bis kooperativ. Es hilft Führungskräften zu bestimmen, welcher Führungsstil in verschiedenen Situationen am effektivsten ist.

Die Pole des Führungskontinuums

1. Autoritärer Führungsstil:
– Die Führungskraft trifft die Entscheidungen alleine und teilt diese den Mitarbeitenden mit.
– Es gibt keine Möglichkeit zur Beteiligung der Mitarbeitenden am Entscheidungsprozess.
– Zwang kann angewendet werden, muss aber nicht.

2. Kooperativer Führungsstil:
– Die Mitarbeitenden werden in den Entscheidungsprozess einbezogen.
– Die Führungskraft legt nur die Rahmenbedingungen fest und überträgt die Entscheidungskompetenz an das Team.
– Diese Methode fördert die Eigenverantwortung und das Engagement der Mitarbeitenden.

Die sieben Abstufungen des Führungskontinuums

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es sieben Abstufungen, die den Entscheidungsspielraum sowohl der Führungskraft als auch des Teams berücksichtigen:

1. Die Führungskraft trifft die Entscheidung und verkündet sie.
2. Die Führungskraft „verkauft“ die Entscheidung an die Mitarbeitenden.
3. Die Führungskraft präsentiert die Entscheidung und lädt zu Fragen ein.
4. Die Führungskraft legt eine vorläufige Entscheidung vor, die noch geändert werden kann.
5. Die Führungskraft stellt das Problem vor, holt Vorschläge ein und trifft dann die Entscheidung.
6. Die Führungskraft legt die Grenzen fest und fordert die Gruppe auf, eine Entscheidung zu treffen.
7. Das Team trifft die Entscheidung innerhalb der festgelegten Grenzen.

Wann welcher Führungsstil angebracht ist

Tannenbaum und Schmidt identifizieren drei Hauptfaktoren, die bestimmen, welcher Führungsstil angemessen ist:

1. Charakteristika der Führungskraft:
– Wertesystem und Vertrauen in die Mitarbeitenden.
– Eigene Neigungen zur Führung und Sicherheitsbedürfnis in unsicheren Situationen.

2. Charakteristika der Mitarbeitenden:
– Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme.
– Interesse am Problem und Identifikation mit den Zielen der Organisation.
– Kenntnisse und Erfahrungen sowie Erwartung, an der Entscheidungsfindung beteiligt zu werden.

3. Charakteristika der Situation:
– Unternehmenskultur und Teamzusammenhalt.
– Erfahrung der Mitarbeitenden mit dem Problem.
– Zeitdruck bei der Entscheidung.

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Ziele einer effektiven Führung

Eine effektive Führungskraft sollte stets die folgenden Ziele im Auge behalten:

1. Das Motivationsniveau der Mitarbeitenden zu erhöhen.
2. Die Bereitschaft zur Akzeptanz von Veränderungen zu steigern.
3. Die Qualität der Führungsentscheidungen zu verbessern.
4. Teamarbeit und Moral zu fördern.
5. Die individuelle Entwicklung der Mitarbeitenden zu unterstützen.

Fazit

Das Führungskontinuum bietet einen wertvollen Rahmen, um die passende Führungsstrategie für verschiedene Situationen zu wählen. Es betont, dass weder der autoritäre noch der kooperative Führungsstil allein immer richtig ist. Stattdessen sollte die Entscheidung, welcher Stil anzuwenden ist, von den spezifischen Umständen und den beteiligten Personen abhängen.

In der nächsten Woche werde ich über Einflusstaktiken sprechen und damit den verhaltensorientierten Ansatz abrunden. Bleiben Sie dran und teilen Sie mir Ihre Gedanken zu diesem Thema mit!

Michael Zocholl

Michael Zocholl

Ich bin Wirtschaftspsychologe, Trainer und Coach. Ich unterstütze Führungskräfte und Unternehmen dabei, Mitarbeitergespräche wirksamer zu führen, Zusammenarbeit zu verbessern und Führung wissenschaftlich fundiert in die Praxis zu übertragen.

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