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Weiterentwicklung mit oder ohne Jobwechsel?

In der heutigen Folge möchte ich mit dir eine Frage diskutieren, die mir in Coachings gerne mal gestellt wird. Es ist die Frage: Muss ich meinen Job wechseln, um mich weiterzuentwickeln.

Vielleicht hast Du den Start ins neue Jahr ebenfalls für eine Reflexion genutzt und fragst dich jetzt, ob und wie es für dich weitergehen kann. Ich möchte heute ein paar Argumente austauschen, die das Für und Wider dieser Diskussion aufgreifen.

Starten möchte ich aber damit, dass ich einmal versuche zu definieren, was berufliche Weiterentwicklung eigentlich sein kann. Das kann für uns alle etwas Anderes sein und muss somit immer mitberücksichtigt werden, wenn man für sich eine Antwort haben will.

Weiterentwicklung: Drei Entwicklungsstränge gehen voraus

Aus meiner Sicht gibt es drei Entwicklungsstränge 1. Ich will mehr Geld verdienen, 2. Ich will Karriere machen/mehr Verantwortung übernehmen, 3. Ich will etwas komplett Anderes machen.

Die schauen wir uns Punkt für Punkt an.

  1. Ich will mehr Geld verdienen

Wenn mehr Geld das einzige Kriterium ist, dann kann ein Jobwechsel sehr wohl hilfreich sein. Die Bertelsmann-Stiftung hat ermittelt, dass ein Wechsel in einen verwandten Beruf – also ein Job, bei dem man sehr stark auf das vorhandene Wissen aufbauen kann – eine Gehaltsaufbesserung von knapp 3.500€ brutto pro Jahr möglich ist. Einen solchen Sprung muss ein Tarifvertrag vorsehen oder eine Gehaltsverhandlung erstmal rausschlagen. Und in dieser Zahl ist nicht zwangsläufig ein beruflicher Aufstieg inbegriffen.

Die Studie „Human capital at work: The value of experience“ von McKinsey liefert weitere Argumente. Wer branchenfremd oder in eine neue Position wechselt, die andere Fähigkeiten abverlangt, kann beim Gehalt deutlich profitieren. Die Berater von McKinsey sprechen hierbei von „Skill Distance“. Es zeigt sich: Je größer der prozentuale Anteil der neu erlernten Fähigkeiten am gesamten Know-how, desto größer sind die Gehaltssteigerungen. Laut McKinsey betrug die durchschnittliche „Skill Distance“ 25 Prozent. Neu hinzugekommene Fähigkeiten machen also ein Viertel beim Jobwechsel aus.

Wie muss man die Ergebnisse lesen? Fragst Du dich? Zunächst einmal zeigt es, dass Unternehmen nicht dafür zahlen, was Du jetzt kannst, sondern was sie erledigt, bekommen müssen. Gleichzeitig zeigt sich ein gewisser Druck durch Digitalisierung und Fachkräftemangel. Wer Mut beweist, sich neue Fähigkeiten anzueignen und die Komfortzone zu verlassen, hat eine gute Jobperspektive und die Aussicht auf einen ordentlichen Gehaltssprung.

Jobwechsel: Ich will Karriere machen!

  1. Ich will Karriere machen – Ich will mehr Verantwortung übernehmen.

Anders als beim Thema Gehalt kann ich hier nicht mit Studien glänzen, sondern muss das Thema qualitativ aufrollen.

Welche Gründe sprechen dafür, dass man den Job wechselt, um mehr Verantwortung zu übernehmen und/oder Karriere zu machen?

  • Grund 1: Du steckst seit Jahren fest, bringst dich und deinen Namen immer wieder ins Spiel, aber das Einzige, was du bekommst, ist die Karotte vor die Nase. Dann spricht viel dafür, sich mit einem Jobwechsel zu beschäftigen.
  • Grund 2: Du bist bei einer aktuellen Beförderungsrolle nicht berücksichtigt worden aber fühlst dich dennoch bereit, diesen Schritt zu gehen. Auch dann solltest du über einen Wechsel nachdenken. Denn dass eine Stelle erneut frei wird, erscheint erstmal nicht wahrscheinlich.
  • Grund 3: Du willst Karriere machen, aber bloß nicht dort, wo du jetzt bist. Die liebe Unternehmenskultur ist toxisch für Führung, Verantwortung und Macht und du tickst komplett anders, auch dann würde ich mir überlegen, ob ein Wechsel nicht Sinn macht.

Wenn ich mich so umhöre, dann kriege ich mit, dass der Job als Führungskraft sehr an Reputation verliert und einfach nur noch als Belastung gesehen wird. Das betrifft Führungskräfte auf allen Ebenen. Die Komplexität nimmt spürbar zu, Unternehmen müssen Rahmenbedingungen aushalten und Transformation gestalten. Unsicherheiten auf allen Ebenen und dann auch noch die Mitarbeiter, die Sinn erleben, Entwicklung sehen und möglichst wenig im Büro sein wollen. Die Erwartungen an Führungskräfte nehmen erheblich zu und wie ich finde, viel zu einseitig.

Sie sollen stets ansprechbar, ausgeglichen und nahbar sein, fachlich exzellent und technologisch auf dem neuesten Stand. Sie sollen die Werte des Unternehmens kennen, den Bedürfnissen jedes Einzelnen Rechnung tragen und natürlich das gesamte Team im Blick behalten.

Dabei sollen sie sowohl nach unten als auch nach oben effektiv führen und ihrem Team den Rücken freihalten. Zudem sollen sie psychologische Sicherheit bieten, klar kommunizieren, konstruktives Feedback geben und annehmen, je nach Situation als Vorbild, Coach, Teamplayer oder Experte agieren und selbstverständlich die vereinbarten Performance-Kennzahlen abliefern.

Mein kleiner Ausflug zum Wert der Führung allgemein soll dir zeigen, dass es unabhängig vom Jobwechsel ein herausfordernder Job ist. Entscheidest du dich für einen Wechsel, solltest Du dir ein Bild machen, in welche Kultur und in welche Strukturen du hineingerätst. Und das ist gar nicht so einfach.

Solltest Du Karriere nicht zwangsläufig mit Führung verbinden würde ich dir sogar explizit dazu raten, die Möglichkeiten im aktuellen Unternehmen nochmals besser auszuloten. Gibt es vielleicht ein Projekt, dass Du übernehmen kannst? Kannst du spezialisieren und somit Mehrwert schaffen? Einen solchen Schritt im fremden Unternehmen zu wagen, bedeutet, dass du sowohl eine schwache Amts- als auch Fachautorität zugeschrieben bekommst. Das wird deinen Start erschweren.

Jobwechsel: Du willst dich komplett verändern.

  1. Ich will etwas komplett Anderes machen.

Auch hier braucht es erstmal etwas Definitionsarbeit und eine Klärung, was „komplett Anders“ bedeutet. Es kann nämlich viele Facetten haben, wie z. B. eine neue Branche, ein neues Fachgebiet aber im gleichen Unternehmen oder einen komplett neuen Job – also ich denke dabei an sowas wie, vom Controller zum Postboten, von Ärztin zur Verkäuferin, vom Müllmann zum Erzieher.

Du kannst Dir ja selbst denken, dass Du bei mindestens 2 von 3 Facetten den Job wirklich wechseln musst. Solltest Du dich nach reiflicher Überlegung dafür entschieden haben, dann ergeben sich ja auch ganz andere Herausforderungen für dich als der bloße Jobwechsel.

Du merkst, dass es gute Gründe dafür gibt, einen Job zu wechseln. Es spricht allerdings auch mindestens genauso viel dagegen, diesen Schritt zu tun. Bedeutet: Es muss sehr gut überlegt sein.

Aus meiner Sicht ist das der entscheidende Punkt. Kläre im Vorfeld einer solchen Entscheidungen möglichst viele Fragen, die Du hast und starte am besten mit einer kritischen Selbstreflexion. Nimm dir einen Coach zur Hand und beleuchte deine Stärken und Schwächen. Hinterfrage deinen Wunsch nach Wechsel und Veränderung. Je konkreter Du formulieren kannst, wonach Du suchst und was du dir für deinen beruflichen Alltag wünschst, umso besser kannst du danach suchen. Das gilt dann auch für einen internen Wechsel im Unternehmen.

Ein zweiter wichtiger Punkt ist, dass du in deinem jetzigen Unternehmen und mit deiner aktuellen Führungskraft offen über deinen Entwicklungssprung sprechen solltest. Wir kennen das Szenario ja sehr gut aus Erzählungen. Du kündigst deinen Job und alle fallen aus den Wolken, weil sie nicht wussten, wie unglücklich man war. Ich denke: Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden.

Nutze deine Mitarbeitergespräche, um konkret die nächsten Schritte für dich festzulegen. Solltest Du dann feststellen, dass man sich an die Absprachen nicht hält und die Entwicklung ausbleibt, dann kannst du ja immer noch den Exit wählen und dich neu orientieren.

Gleiches gilt für die Frage, ob man mehr Geld verdienen kann. In einigen Unternehmen gibt es Tarifverträge und Systeme, die das sehr stark regeln. Aber auch dort sind Gehaltssprünge möglich. Sprich das Thema an und fordere mehr Geld, wenn Du glaubst, dass deine Erfolge und viel wichtiger deine Anforderungen es hergeben.

Ein letzter Punkt wurde hier bereits angesprochen und auch ich ganz persönlich kann nur dazu raten: Habe Mut und spring ins kalte Wasser. Suche dir eine Herausforderung, die dich aus deiner Komfortzone holt. Du wirst neue Fähigkeiten lernen, an neuen Problemen wachsen und am Ende – jetzt glauben wir mal McKinsey – auch mehr Geld dafür bekommen. Keine schlechte Ausgangslage.

Ich hoffe, dass ich dir bei der Beantwortung der Frage, ob du einen Job wechselst, helfen konnte. Vielleicht hast Du ja Argumente dafür oder dagegen, die ich jetzt noch gar nicht genannt habe. Dann schreibe sie mir gerne. Ich freue mich von dir zu lesen.

Mir bleibt nicht mehr viel übrig als Dir eine schöne Restwoche zu wünschen. Bis nächste Woche.

Quellen: Bertelsmann Stiftung – https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2023/juni/aufstieg-und-mehr-geld-so-zahlt-sich-der-jobwechsel-aus-1#:~:text=Ein%20Jobwechsel%20macht%20sich%20vor,Wechsel%20in%20nicht%20verwandte%20Berufe.

Merkur.de / McKinsey-Studie: https://www.merkur.de/leben/karriere/gehalt-geld-gehaltserhoehung-jobwechsel-30-prozent-mehr-karriere-job-zr-91615864.html

Handelsblatt: https://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-so-ueberfordern-unternehmen-ihre-fuehrungskraefte/29368268.html

Kununu: https://news.kununu.com/angst-vor-dem-jobwechsel/

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