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Serie Führungsstile – Führungsstile nach Weber

Führungsstile sind sehr oft ein theoretisches Konstrukt. Es existieren unzählige Ansätze und eben Stile, die dir als Führungskraft eine Orientierung geben. Allerdings gibt es genug Stile, um den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.

Grund genug, dort einmal genauer hinzuschauen und dafür gibt es jetzt eben diese Podcastserie hier bei Zuhören, Fragen, Führen zu den einzelnen Führungsstilen.

Die Serie ist in der Mache, wenn ihr das hier hört, sodass ich euch nicht genau sagen kann, wie viele Folgen es hierzu genau geben wird.

Ich kann euch aber sagen, dass wir uns jeden theoretischen Ansatz einmal vornehmen und die aus diesem Ansatz entsprungenen Stile besprechen werden.

Einige Stile brauchen mehr Zeit, andere widerum weniger. Das bedeutet, dass es durchaus sein kann, dass wir für einen Ansatz mal zwei Folgen brauchen.

Das klingt doch gut oder?

Aber was sind das nun für Ansätze, die in der Führungstheorie vorherrschen?

  1. Eigenschaftsorientierte Ansätze
  2. Verhaltensorientierte Ansätze
  3. Situationsorientierte Ansätze
  4. Transformationsorientierte Ansätze
  5. Interaktionsorientierte Ansätze

Und hinter diesen Ansätzen stecken einige bekannte Führungsstile, die ich euch einfach mal vorstelle, erkläre und dir typischen Vor- und Nachteile einmal herausarbeite.

Und ganz wichtig: Es wird am Ende keine Empfehlung geben, welcher Stil hier nun der einzig Wahre ist. Aber vielleicht könnt ihr euch eurem perfekten Stil etwas nähern.

Das wäre doch schonmal ein gutes Ergebnis.

Also solltest Du das erste Mal hier in den Podcast reinhören, dann abonniere ZFF und verpasse keine weitere Folge dieser Serie.

Und für alle gilt: Macht mit. Beteiligt euch hier an dieser Serie indem ihr mir schreibt, ob, wo und inwiefern ihr die Ansätze im Alltag wiederfindet.

Führt ihr vielleicht wie ein Patriarch und bekommt so eure Leute motiviert? Ist das Reifegradmodell euer Go-to-Führungsansatz? Dann immer her mit den Kommentaren und euren Geschichten.

Vielleicht habt ihr auch richtige Best-Practice Beispiele von Führungskräften oder die Gruselgeschichten, die keiner erleben will, dann nutzt die sozialen Medien und schreibt mir eure Story.

Ich freue mich auf eure Geschichte und auf diese Serie mit euch.

Alles klar? Dann rein in die Eigenschaftsorientierten Ansätze.

Eigenschaftsorientierte Ansätze – zeitlich stabile Persönlichkeitseigenschaften bestimmen Führungsstil

Ich starte die Serie mit den Eigenschaftsorientierten Ansätzen. Und die Kernaussage hinter diesem Ansatz ist, dass die Fähigkeit zu führen eine relativ stabile, zeit und situationsunabhängige Persönlichkeitseigenschaft ist.

Basis dafür ist die sog. Great-Man-Theorie. Die beschreibt die Auffassung, dass bestimmte Persönlichkeiten geboren werden, um zu führen. Die charakteristischen Eigenschaften sind gottgegeben, können nicht erlernt werden und unterscheiden diese herausragenden Personen von allen anderen.

Die Theorie sagt also, dass man einen Großteil der Eigenschaften besitzen muss. Und die Eigenschaften sind dann:

  • Energie
  • Motivation
  • Durchsetzungsvermögen
  • Beharrlichkeit
  • Intelligenz
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Selbstvertrauen
  • Aufgeschlossenheit
  • Empathie und mitfühlendes Verhalten
  • Ehrlichkeit
  • Vorausschau
  • Initiative

Und welche davon sind wirklich relevant? House, Shane, Herold und später auch Robbins bringen etwas Licht ins Dunkeln.

  • Fachkompetenz: Hohe fachliche Kompetenz im Bereich, den Führungskräfte verantworten, spielt eine Rolle für den Erfolg der Führung. Mangelnde Fachkompetenz im Verantwortungsbereich erschwert dagegen eine sinnvolle aufgabenbezogene Führung, da die Basis dafür fehlt, sinnvolle Anweisungen zur Arbeitsaufgabe zu geben.Aufgabenorientierte Führung ist aber entscheidend für die Leistung von Teams und den Erfolg von Führungskräften. Mangelnde Fachkompetenz kann zusätzlich die Autorität und Akzeptanz von Führungskräften untergraben, denn Mitarbeiter merken schnell, wenn jemand „wenig Ahnung“ hat.
  • Intelligenz gilt insgesamt als einer der besten Prädiktoren für berufliche Leistung von Menschen, insbesondere bei komplexen Tätigkeiten (Schmidt und Hunter, 1998).Auch bei Führungskräften hat sie sich als bedeutsam erwiesen.Warum? : Zahlreiche Herausforderungen für Führungskräfte sind komplex und verlangen ein hohes Maß an analytischem Denkvermögen: Informationen richtig analysieren und interpretieren, Strategien entwickeln, Entscheidungen organisieren, Prozesse planen und Probleme lösen. Zudem hängt Intelligenz eng mit Kreativität zusammen.
    • Emotionale Intelligenz: Um mitarbeiterorientiert führen zu können, müssen Führungskräfte die Emotionen anderer erkennen, verstehen und beeinflussen können. Außerdem sollte man als Führungskraft eigene Emotionen gezielt einsetzen und kontrollieren können.
  • BigFive:
    • Extraversion: Extraversion beschreibt, wie sehr jemand den Kontakt mit anderen Menschen sucht und es genießt, im Mittelpunkt zu stehen. Extraversion selbst und die beiden Unterdimensionen Dominanz und sozialer Anschluss hängen positiv mit dem Führungserfolg zusammen.
    • Offenheit: Führungskräfte müssen sich auf neue Situationen, neue Ziele und ungewohnte geführte Personen (z.B. im interkulturellen Kontext) einstellen können. Führungskräfte, die hier flexibel reagieren, haben öfter Erfolg.
    • Gewissenhaftigkeit: Gewissenhaftigkeit beschreibt die Gründlichkeit und Leistungsorientierung, mit der Personen ihre Aufgaben erledigen.
    • Neurotizismus: Personen mit einer emotionalen Instabilität geraten schnell in negative Emotionen, wie Angst, Wut oder Unsicherheit. Bei Führungskräften führen solche Emotionen zu einem Akzeptanzverlust bei den Mitarbeitern. Unsicherheit strahlt zudem auf die Mitarbeiter aus.
    • Verträglichkeit: Führungskräfte mit diesen Eigenschaften liefern also bessere Ergebnisse ab, als Führungskräfte ohne diese Eigenschaften.

Die Liste von Eigenschaften, die eine gute Führungskraft ausmachen, ist also schon sehr lang. Aber welche Führungsstile finden wir nun hinter diesem Ansatz? Darauf schauen wir jetzt.

Führungsstile nach Weber – Dimensionen der Herrschaft

Der 1. Führungsstil, der diese Serie hier eröffnet sind gleich mehrere Stile. Und zwar rede ich von den Führungsstilen des Soziologen Max Weber. Drei Führungsstile gehen auf die drei Formen der Herrschaft von Max Weber (1864 – 1920) zurück. Sie sind überaus wichtig in historischer Sicht und prägend für das heutige Verständnis vom Führungsstil.

Er stellt die Frage: „Warum lassen sich Menschen beherrschen?“ und unterteilt anhand der Gründe, die er sich dafür erklärt, Führung nach drei ideal-typischen Grundformen.

  1. patriarchiale Herrschaft beruht auf dem Alltagsglauben an die geltende Traditionen. Und in diesen Traditionen gibt es Menschen, die eben durch diese legitimiert sind, sich über andere zu erheben.
  2. Charismatische Herrschaft beruht auf dem Glauben an die Heldenkraft einer Person und der durch sie geschaffenen Ordnung.
  3. Bürokratische oder rationale Herrschaft beruht auf dem Glauben an die Legalität durch Gesetze, Regeln oder Zuständigkeiten.

Führungsstile nach Weber – autokratischer Führungsstil

  1. Der autokratische Führungsstil. Die Führungskraft trifft alle Entscheidungen, ohne die Mitarbeitenden in den Entscheidungsprozess einzubeziehen, und teilt den Mitarbeitenden ihre Aufgaben zu, die sie zu erfüllen haben. Wie beim autoritären Führungsstil sind auch hier die Verantwortlichkeiten eindeutig zugeteilt.

Autokratie bedeutet Selbstherrschaft. In einer Demokratie geht die Macht vom Volk aus. Im Gegensatz dazu üben die Oberhäupter von Autokratien ihre Macht uneingeschränkt und ohne die Beteiligung oder Zustimmung der Beherrschten aus.

Dabei kann die Herrschaft sowohl in den Händen eines einzelnen Autokraten oder Autokratin als auch bei einer Gruppe liegen, beispielsweise einer Partei.

Vorteile:

Hier sind vor allem schnelle Entscheidungsprozesse und die klare Zuweisung von Aufgaben und Kompetenzen zu nennen, sodass Missverständnisse und doppelte Zuständigkeiten vermieden werden.

Nachteile: Die fehlende Beteiligung der Mitarbeitenden an Entscheidungen kann sich negativ auf deren Motivation und damit auf das Arbeitsklima auswirken, sodass die Gefahr einer fehlenden Bindung an das Unternehmen und damit einer höheren Kündigungsrate steigt.

Werden Mitarbeitende nicht an Entscheidungen beteiligt oder deren Perspektiven nicht einbezogen, verspielt das Unternehmen auch die Möglichkeit, verborgene Fähigkeiten der Mitarbeitenden zu identifizieren und zu nutzen, was sich insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels als Nachteil erweisen kann.

Führungsstile nach Weber – bürokratischer Führungsstil

  1. Der bürokratische Führungsstil ist vor allem durch feste Strukturen, Richtlinien und Regeln geprägt, die sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die Führungskräfte gelten. Dies impliziert, dass nicht nur Arbeitsabläufe und Entscheidungsprozesse klar vorgegeben sind, sondern auch die Art und Weise, wie die Mitarbeitenden zu führen sind. Der bürokratische Führungsstil kommt häufig in solchen Institutionen und Organisationen zum Einsatz, in denen die Führungskraft ihre Führungsposition nur für einen begrenzten Zeitraum besetzt.

Bürokratie beschreibt, wie wichtige Vorgänge im Staat ablaufen. In einer Bürokratie ist alles genau geregelt und streng geordnet, jeder hat seine klar umschriebene Aufgabe. Vorschriften legen genau fest, wie gehandelt werden muss. Kein Mitarbeiter einer solchen Verwaltung wird etwas tun, wofür er nicht zuständig ist. Die sogenannten Dienstwege werden strikt eingehalten, jeder Vorgang wird in den Akten genau und lückenlos festgehalten.

Vorteile:

  • aufgrund klarer Anweisungen weiß jeder, was seine Aufgabe ist
  • kein Machtmissbrauch durch eine einzelne Person
  • Mitarbeiter sind nicht von der Willkür einer Person abhängig
  • weniger ungerechte Behandlung aufgrund von Antipathie oder Sympathie möglich
  • geringe Anzahl von Fehlentscheidungen
  • Planbarkeit und Zuverlässigkeit
  • Objektivität und Stetigkeit

Nachteile:

  • aufgrund starrer Vorschriften in Krisensituationen kein zeitnahes und flexibles Reagieren möglich
  • Einschränkung der Selbstständigkeit und der Eigeninitiativen von Teams und Mitarbeitern
  • häufig Motivationsverlust seitens der Mitarbeiter
  • wenig Entscheidungsspielraum der Vorgesetzten
  • keine Kreativität gefordert, da es klare Vorgaben gibt langwierige Anpassung an Veränderungen der Umwelt

Führungsstile nach Weber – charismatischer Führungsstil

  1. Beim charismatischen Führungsstil steht die Persönlichkeit der Führungskraft im Mittelpunkt. Dieser Führungsstil ist geprägt durch das Charisma der Führungskraft, durch deren Ausstrahlung, Begeisterungsfähigkeit und Überzeugungskraft, die sich positiv auf die Motivation der Mitarbeitenden auswirken. Charakteristisch für diesen Führungsstil ist, dass die Mitarbeitenden in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, ihnen Kompetenzen und Verantwortung übertragen werden und sie weitgehend eigenständig arbeiten können.

Charisma ist die außeralltägliche Qualität einer Persönlichkeit, um derentwillen sie  als vorbildlich und deshalb als „Führer“ gewertet wird

Vorteile:

  • Die Motivation und Identifikation der Angestellten ist sehr hoch.
  • Die Führungskräfte sind in ihrem Handeln flexibel, da es kaum starre Vorgaben und Richtlinien gibt.
  • Trotz der letztendlichen Entscheidungsgewalt bei der Führungskraft haben die Mitarbeiter ein hohes Maß an Selbstbestimmung in den ihnen zugeteilten Aufgabengebieten.

Nachteile:

  • Charisma ist schwer zu erlernen.
  • Die Einstellung der Führungskraft ist entscheidend für die tatsächlich getroffenen Entscheidungen. Diese müssen nicht immer positiv für die Belegschaft sein.
  • Das Unternehmen ist abhängig von einer Person. Fällt diese längere Zeit aus, scheidet aus dem Unternehmen aus oder verstirbt, entsteht eine schwer zu füllende Lücke.

Das war der erste Führungsstil und du merkst sicherlich, dass es einiges hierzu zu erzählen gibt. In der nächsten Ausgabe bleiben wir bei den Eigenschaftsorientierten Ansätzen und sprechen über die Attributionstheorie.

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