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Wer Homeoffice macht, ist unwichtig

Wenn einer im Homeoffice arbeiten kann, ist er unwichtig

Mit dieser Aussage schaffte es der Unternehmer Wolfgang Grupp (Trigema) in die Schlagzeilen der letzten Woche. Der Trigema-Chef beklagte die hohen Forderungen der jungen Akademiker und führte an, dass „wenn man zu allem Ja-Sage, egal ob 4-Tage-Woche oder Work-Life-Balance, dürfe man sich nicht wundern, wenn immer mehr gefordert werde“.

Wolfgang Grupp ist 81 Jahre und führt das Unternehmen Trigema seit 1969. Ende des Jahres übergibt er das Geschäft an seine Kinder. Dabei ist der Unternehmer immer wieder für polarisierende Aussagen bekannt. Von Homeoffice hält er nichts, wie er bereits im Sommer 2022 bei Pro7 erklärte.

Das seine erneute Abrechnung mit dem Homeoffice wieder hohe Wellen schlug ist erstaunlich und gleichzeitig auch wieder nicht, in einer Zeit, in der jede gute Schlagzeile für Klickzahlen gebraucht wird.

Carsten Maschmeyer hält ebenfalls wenig von den Äußerungen von Wolfgang Grupp und entgegnet: Wenn du jemandem nicht zutraust, zu Hause zu arbeiten, hättest du ihn gar nicht erst einstellen sollen. Für ihn ist Homeoffice ein Hebel gegen den Fachkräftemangel.

Homeoffice ist fester Bestandteil der Arbeitswelt

Und sicherlich muss man festhalten, dass das mehr an Flexibilität sinnvoll ist, wo es auf Menschen trifft, die es wirklich brauchen.

Mittlerweile gibt es mehrere Studien, Untersuchungen oder Umfragen, die Homeoffice näher beleuchten. Heute gebe ich Euch ein paar Einblicke daraus wieder.

Da wäre beispielweise die weltweite KPMG-Umfrage CEO Outlook. Dort erwarten 68 Prozent der deutschen Top-Entscheider eine vollständige Rückkehr der Mitarbeiter ins Büro in den kommenden drei Jahren.

Eine düstere Bilanz.

Klar, die Corona-Pandemie zwang uns dazu, zuhause zu arbeiten – teilweise sogar zu 100%. Doch die Zahlen zeigen, dass das Homeoffice in der Pandemie nur von rund einem Drittel der Deutschen genutzt wurde. Das Ifo-Institut zeigt, dass die Quote sich seit Jahre um die 25%-30% Prozent dreht.

Heißt: Arbeit von Zuhause ist etabliert für viele Menschen. Aber eben nicht für Alle. Es ist primär etwas für Angestellte, Beschäftigten mit höherer Bildung und Einkommen, in Bereichen wie Management, IT, Finanzen und Recht sowie in Industrieländern mit hohen Einkommen. Das berichten die Politiwissenschaftler Daniel Lorberg und Holger Janusch in einem Beitrag für die Hans-Böckler-Stiftung.

Studienlage: Manager holen Mitarbeiter aus Homeoffice zurück

Interessant am KPMG CEO Outlook ist auch, dass sich 77% der deutschen Top-Manager vorstellen können, die Mitarbeiter mit Gehaltserhöhungen und Beförderungen wieder zurück ins Büro zu holen.

Und bei dieser Aussage musste ich schon sehr schmunzeln. Während ich mir eine Büroprämie noch halbwegs vorstellen kann, so ist die Beförderung nun wirklich unrealistisch. Außer man hat kein Problem damit eine Organisation aufzublähen oder nur noch um Personen herumzubauen. Aber ja, auch dafür findet der beste Top-Manager noch eine Erklärung.

Ein wesentliches Argument für Arbeit von Zuhause ist die gesteigerte Effizienz. Auch dazu gibt es Untersuchungen. Eine Studie der TU Darmstadt zu Pandemiezeiten zeigt, dass die Menschen zwar zufriedener sind, der Erfolg, d.h. ob man effizienter arbeiten kann oder eben nicht, sehr stark schwankt. Als „klare Gewinner“ des Homeoffice zu betrachten sind demnach verheiratete, ältere und erfahrene Beschäftigte mit höherem Einkommen, ausgeprägter Arbeitsautonomie und Führungsverantwortung. Das Nachsehen hätten dagegen ledige, jüngere Berufsanfänger mit wenig Einkommen und Entscheidungsbefugnis.

Führungskräfte als Verlierer

Doch als Verlierer sehen sich auch die Führungskräfte:

Das Institut Kienbaum ISM in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Personalmanager zeigt, dass 62 % der Führungskräfte fühlen sich durch die Anforderungen ortsungebundener Führung überfordert und bisweilen erschöpft.

Die Untersuchung zeigt, dass sich insbesondere die Themen: Teambuilding, Gestaltung von Kultur und die Mitarbeiterbindung verschlechtert hat.

Positiv: Stärkeres Vertrauen und Abnahme von Instrumenten zur Leistungsmessung und Rückmeldung. Die dort befragten Führungskräfte nehmen eine gesteigerte Leistung und Perfomance wahr, aber eben auch eine Steigerung an Überstunden und Erschöpfung.

Aus meiner Sicht müssen wir dringend über den Support von Führungskräften sprechen. Klingt komisch, wenn ich das so sage: Aber auch Führungskräfte brauchen Führung.

Und vielleicht ist Wolfgang Grupp hierfür ein besseres Beispiel als für New Work. Man kann über seine Inhalte streiten und diese ablehnen, aber: Er gibt die Richtung vor. Allen Mitarbeitern ist klar, was er von ihnen erwartet. Fühlt sich seine Umsetzung modern an? Sicherlich nicht. Dennoch gibt ihm der Erfolg recht.

Wir leben (Mal wieder oder immer wieder) in schwierigen Zeiten durch die geopolitischen Verwerfungen, den Ukraine-Krieg oder der Konflikt in Israel und Gaza. Und hier habe ich einige Krisenherde unterschlagen. Wir haben eine Klima- und Energiekrise. Die Menschen leiden unter der Inflation. Das es da zu Erschöpfung kommt, ist unausweichlich.

Aus meiner Sicht sollten Führungskräfte und die Unternehmen in Gänze dafür Sorge tragen, dass Mitarbeiter

  • In ihrer Selbstverantwortung gestärkt werden und diese auch bewusster wahrnehmen. à Macht sie zu Unternehmern im Unternehmen
  • Killt endlich Effizienzfallen, wie Termine: So viele Termine könnten ein Mail sein. In so vielen Terminen sitzt man nur, damit man später nicht sagen kann, man hätte das Thema nicht gekannt. Der persönliche Beitrag = 0. Und das Schlimme: Durch Remote Work kann man unverzüglich von einem in den anderen Termin. Die Verdichtung und die Erschöpfung nimmt zu.
  • Reflexion im Team hat oberste Priorität: Es geht darum, die Fäden immer wieder zusammenzulegen. Dein Team muss sich regelmäßig hinterfragen, ob die Dinge so noch richtig laufen bzw. was verbesserungswürdig ist.
  • Kommunikation in alle Richtungen stärker aufnehmen: Führe als FK regelmäßige MA-Gespräche mit deiner Führungskraft und spreche über Erwartungen, über vergangene Projekte, über neue Projekte. Aus meiner Sicht wird es immer wichtiger, den Austausch kurzfristiger und schneller zu ermöglichen.

Aber nun zu Dir: Wie erlebst Du Führung im Homeoffice? Bist du vielleicht Führungskraft und erlebst ebenfalls eine größere Erschöpfung bei dir und deinen MA? Dann schreib mir warum und was du bereits dagegen tust.

Ich bin gespannt auf die weiteren Diskussionen und auf die nächste Schlagzeile von Wolfgang Grupp. Mir bleibt nicht mehr viel übrig als euch eine schöne Restwoche zu wünschen. Bis zur nächsten Folge.

Quellen:

Grupp bei Zervakis und Opdenhövel (Pro 7): https://www.google.com/search?q=grupp+zervakis+und+opdenh%C3%B6vel&rlz=1C1YTUH_deDE1033DE1033&oq=grupp+zervakis+&gs_lcrp=EgZjaHJvbWUqBwgCECEYoAEyBggAEEUYOTIHCAEQIRigATIHCAIQIRigAdIBCDQwNjlqMGo3qAIAsAIA&sourceid=chrome&ie=UTF-8#fpstate=ive&vld=cid:2ea8fa9a,vid:i-e5GMkwwvo,st:0

KPMG CEO Outlook 2023

https://kpmg.com/de/de/home/media/press-releases/2023/10/ceos-erwarten-rueckkehr-ins-buero-in-kommenden-3-jahren.html

T3n-Magazin – Andreas Weck: Homeoffice-Potenzial: So viele Deutsche könnten zu Hause arbeiten

https://t3n.de/news/homeoffice-heimarbeit-anzahl-deutschland-potential-2022-1473238/

Institut Kienbaum ISM – Remote Leadership

https://institut.kienbaum.com/wp-content/uploads/sites/24/2022/10/Studie_Remote_Leadership_2022.pdf

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